Zähe Geburt für Neubau des Innsbrucker Integrationshauses

Vor fünf Jahren wurde das Integrationshaus in der Innsbrucker Gumppstraße abgerissen. 18 Mio. Euro fließen in den Neubau. Gestern war der Spatenstich.

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Bischof Hermann Glettler, Markus Lechleitner (Alpenländische) und Caritas-Direktorin Elisabeth Rathgeb (v. l.) füllten eine Zeitkapsel, die einbetoniert wird, unter anderem mit einer Tiroler Tageszeitung.
© Rita Falk

Von Matthias Reichle

Innsbruck – 2015 fand die große Abschiedsfeier statt, ein Jahr später wurde es abgerissen – seither hing der Neubau des Innsbrucker Integrationshauses in der Warteschleife. Von einer „langen Schwangerschaft“ sprach Bischof Hermann Glettler. Gestern wurde die Geburt am einstigen Standort in der Gumppstraße eingeleitet.

Das „Baby“ kostet 18 Millionen Euro, beherbergt 73 Mietwohnungen und im Unter- und Erdgeschoß eine 2000 Quadratmeter große Fläche für Projekte der Caritas und der Diözese Innsbruck.

Unter anderem gibt es 21 Krisenwohnungen. „Für Obdachlose, die krank werden, haben wir in Innsbruck bisher gar nichts“, betont Caritas-Direktorin Elisabeth Rathgeb. Sie sollen dort ebenso eine temporäre Heimat finden, um sich auszukurieren, wie in Not geratene Frauen und Asylbewerber. Dank Veranstaltungssaal wird aber auch der bekannte Dinner-Club wieder seine Integrationsmenüs kochen können. Überhaupt soll das Haus zu einem „pulsierenden Zentrum“ für den Stadtteil werden – samt öffentlich zugänglichem Garten, Demenz-, Familienberatung und Lerncafé.

Umgesetzt wird das „Integrationshaus neu“ von der Alpenländischen auf einem 5800 Quadratmeter großen Grundstück. Man habe sich bewusst dagegen entschieden, die wertvolle Fläche zu Geld zu machen, hieß es seitens der Diözese. Das Projekt wird im Rahmen eines Baurechtsvertrags umgesetzt, die fällige Summe – ein Mindestbaurechtszins von 107.000 Euro – kommt direkt der Caritas zugute. Damit werden sowohl die Miete als auch die Betriebskosten bestritten. Die Zukunft der Einrichtung sei damit gesichert.

„Jedes Mehrparteienhaus in der Stadt sollte ein Integrationshaus sein“, betonte Glettler – „aber scheinbar braucht es solche besonderen Zentren, wo das exemplarisch gelebt wird.“ Durchaus schwierig dürfte die baurechtliche Vorbereitung für das Projekt gewesen sein. Für die Verzögerungen hatten neben Corona und dem Tod des diözesanen Finanzkammerdirektors Markus Köck, der das Projekt vorbereitet hatte, auch Unstimmigkeiten mit mehreren Nachbarn geführt. Dabei ging es um die Garagenzufahrt – man habe hier eine „gute Lösung“ auf dem Verhandlungsweg gefunden, hieß es seitens der Diözese.

„Die Hartnäckigkeit hat sich gelohnt“, betont der Innsbrucker Vizebürgermeister Markus Lassenberger. Der Bedarf für das Haus sei hoch. Noch ist aber Geduld angesagt. In Betrieb genommen wird die Anlage erst im Sommer 2023 – nach zwei Jahren Bauzeit.


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