Ärztekammer lehnt in Osttirol Pilotmodell von Gruppenpraxis ab

Den Mangel an Landärzten könnten Gruppenpraxen ausgleichen, meint der Osttiroler Mediziner Gernot Walder. Doch die Ärztekammer lehnt sein Ansinnen ab.

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Im Defereggental hat Gernot Walder fertige Pläne für einen neuen medizinischen Stützpunkt anstelle der kleinen Ordination in St. Jakob.
© Ladstätter

Von Christoph Blassnig

St. Jakob i. Def. – Eine Gruppenpraxis für das Defereggental, wie sie Gernot Walder und seine Arztkollegen schon länger anstreben, scheint in weite Ferne gerückt. Deshalb hat Walder auch den Bau eines neuen medizinischen Stützpunktes im Tal zurückgestellt. Drei Millionen Euro wäre Walder bereit zu investieren. Die Pläne liegen vor, ein geeignetes Grundstück ist gekauft.

„Für solche Ausgaben benötigen wir nicht nur Rechtssicherheit, sondern auch langfristige Verträge, um entsprechende Einnahmen erzielen zu können“, begründet Walders Wirtschaftsbeauftragter Hannes Mahl die Rückstellung. „Den einen Arzt, der wie Walders Vorgänger Ottokar Widemair sein Leben lang Tag und Nacht für die einheimische Bevölkerung rund um die Uhr auf Abruf bereitsteht, den gibt es heute nicht mehr.“ Es müssten für die medizinische Versorgung in den abgelegenen Regionen dringend neue Beschäftigungsmodelle entwickelt werden.

Die Kassenstelle im Defereggental würde sich etwa als Pilotmodell eignen, und das nicht nur für Tirol, meint Walders Ärztegemeinschaft. Denn Walder betreut die Bevölkerung nicht allein, sondern teilt regelmäßig junge Kollegen ein, die im Tal den allgemeinmedizinischen sowie den notärztlichen Dienst in Personalunion abdecken. In seinem Heimatort Außervillgraten führt Walder auch noch ein Labor, das aktuell mehr als 80 Beschäftigte hat.

Gernot Walder hatte zwar einen Antrag an die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) sowie an die Ärztekammer Tirol gestellt auf die Ausdehnung seiner Kassenstelle auf eine Gruppenpraxis. Das Land Tirol und die ÖGK hatten zusätzlich die Einrichtung einer Zweitordination in Außervillgraten unterstützt. Doch beide Ansinnen lehnte die Ärztekammer ab. Kammeramtsdirektor Günter Atzl begründet: „Die Anzahl der zu versorgenden Einwohner und Patienten, die Anzahl der Touristen, die bisherige durchschnittliche Patientenanzahl usw. haben eindeutig ergeben, dass eine Ausweitung der kassenärztlichen Versorgung in diesem Gebiet nicht erforderlich ist.“

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