Tiroler Kleinkraftwerke auf Wachstumskurs: Land verlängert Förderung

Das Land verlängert die Beratungsförderung bei Kleinkraftwerken. 40 wurden seit 2011 revitalisiert. Beim WWF begrüßt man eine Effizienzsteigerung, wenn dadurch auch der Stand der Technik erreicht wird.

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Rupert Ebenbichler (Wasser Tirol, l.), LHStv. Josef Geisler (2. v. r.) und Johann Gantschnig jun. und sen. besichtigen die Anlage.
© Land/Entstrasser-Müller

Innsbruck, Lienz – Es ist seit 1918 in Betrieb – zunächst erzeugte es den Lichtstrom für die umliegenden Gemeinden, später die Energie für das eigene Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Das Kleinkraftwerk der Familie Gantschnig aus Obervotz/Schlaiten in Osttirol hat viel Wasser den Schlaitenbach hinunterfließen sehen – und soll auch noch nicht so schnell in den Ruhestand treten. Ganz im Gegenteil. In den letzten Jahren wurde es ausgebaut, die Leistung stieg von 37 auf 202 Kilowatt, die Stromerzeugung von 320.000 auf 846.000 kWh pro Jahr – und das, obwohl auch strengere ökologische Richtlinien berücksichtigt wurden. Die Anlage produziert jetzt genug Strom für 150 Haushalte.

In Tirol stammt ein Viertel der produzierten Strommenge aus Kleinwasserkraftwerken mit einer Leistung von bis zu zehn Megawatt. Viele sind aber in die Jahre gekommen. Vor zehn Jahren startete das Land eine Revitalisierungsberatung – Kraftwerke wie das am Schlaitenbach konnten so auf ihre Ausbaumöglichkeiten überprüft werden. In 100 Fällen stellte sich heraus, dass „ein hohes, sinnvoll nutzbares Revitalisierungspotenzial“ besteht. Nun zog das Land Bilanz: Es wurden 190 Beratungen durchgeführt, bei 40 Kraftwerken hat man die Empfehlungen bereits umgesetzt – oder ist dabei.

Das Land sieht darin einen wichtigen Baustein für die Energieautonomie. „Elektrischer Energie und damit auch der Kleinwasserkraft, die nebenbei auch ein Tiroler Kulturgut ist, kommt dabei eine wichtige Rolle zu“, betont LHStv. Josef Geisler. Die Beratung wird nun verlängert.

Beim WWF sieht man das Potenzial bei Kleinwasserkraftwerken ebenfalls in der Sanierung und Effizienzsteigerung von bestehenden Anlagen, wenn dadurch auch der Stand der Technik erreicht wird. „70 Prozent können den nicht einhalten“, betont WWF-Sprecherin Bettina Urbanek.

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Einen Neubau von Kleinanlagen lehnt man ab – auch weil die Stromausbeute im Vergleich zur Naturbelastung sehr gering ausfällt. „Es wäre auch wichtig, wenn es eine Beratung und Förderung zum Rückbau von Anlagen gäbe, wenn sie sich nicht rentieren“, meint Urbanek. Auch seitens der Umweltanwaltschaft fordert man strenge Richtlinien bei Neubauten – und Festlegung von kraftwerksfreien Gewässerschutzzonen. (TT, mr)


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