Verhaftung nach Prozess am Landesgericht: Statt ins Café direkt in die Zelle

Nur bedingte Haft für 49-Jährigen, trotzdem Verhaftung direkt nach Prozess.

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Weiterer Haftbefehl aufrecht: Ein Kroate (l.) wurde noch am Gang des Landesgerichts festgenommen.
© Fellner

Seit dem letzten Jahr hatten ein in Berlin wohnhafter Kroate und seine Lebensgefährtin immer wieder eine Ausrede gefunden, um doch nicht zum Prozess wegen gewerbsmäßigen Diebstahls ans Innsbrucker Landesgericht kommen zu müssen. Kein Wunder, ging es für den 49-Jährigen doch um bis zu drei Jahre Haft. Gestern war das Paar aber dann doch angereist.

Auf Anraten von Verteidiger Adolph Platzgummer zeigte sich der 49-Jährige sogleich geständig, quer durch Österreich mit einer präparierten Tasche (schlug am Alarm nicht an) gezogen zu sein. Die bevorzugte Beute hatte dabei aus ausgewählten Schuhen, Bekleidung und Parfums bestanden. In Lienz konnten beide dann mitsamt dem Diebesgut aufgegriffen werden. Richter Georg Putz honorierte, dass so letztlich kein Schaden entstanden und das Paar nun doch noch freiwillig zum Prozess erschienen war. Neben einem Freispruch für die Frau ergingen für den Kroaten acht Monate Haft deshalb nur bedingt. „Vielen Dank, Herr Rat!“, rief der 49-Jährige beim Verlassen des Verhandlungssaals Richter Putz noch zu – und rannte am Gang direkt in die Arme von fünf Polizisten, die dort bereits auf das Pärchen warteten. Einer der Beamten hatte einen Haftbefehl des Landesgerichts Korneuburg in der Hand: dringender Tatverdacht auf gewerbsmäßigen Diebstahl.

Dass das Suchtgiftmilieu seine eigenen Waffen kennt, zeigte ein Prozess wegen Hausfriedensbruchs. Angeklagt war ein Innsbrucker Frühpensionist. Dessen Freundin hatte einst ihrem heimlichen Freund eine Packung frische Spritzen vorbeigebracht, dem Angeklagten aber aufgetragen, sie nach einer halben Stunde abzuholen. Als dieser nach Zeitablauf in die Wohnung eingedrungen war, war er vom Nebenbuhler mit einem Spritzenstich in die Hand empfangen worden. Das Gericht billigte die Abwehr einer weiteren Attacke zu, auch wenn die Spritze unbenutzt und unbefüllt war. Vom Hausfriedensbruch blieben so allein die Sachbeschädigung an der Türe und eine Nötigung übrig, 800 Euro Geldstrafe ergingen.

Ein 79-Jähriger war indes gestern zum ersten Mal in seinem Leben vor Gericht – und zwar wegen beharrlicher Verfolgung. Eine solche sollte er an der 30-jährigen Freundin seiner Enkelin begangen haben. Um Angstzuständen entkommen, hatte die junge Frau die Nähe des Witwers gesucht. Dieser reagierte darauf mit Betreuung und Geldzuwendungen in vielen Bereichen. Als der 30-Jährigen diese Nähe zu viel wurde, fiel es dem 79-Jährigen schwer, dies zu akzeptieren. Anstatt Abstand zu halten, kam die Frage nach dem Warum – über Telefon bis zu 45-mal am Tag. Auch an der Haustüre der Frau soll er nicht selten geläutet haben. Aufgrund unsicherer Beweissituation erging dennoch ein Freispruch über den Rentner. Schluchzend schwor er, nun Distanz zu halten. (fell)

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