Faßmann in „Tirol live": Absage an „Corona-Matura" und Prüf-Tourismus

Bildungsminister Heinz Faßmann warnte im „Tirol live"-Gespräch Eltern vor Selbstüberschätzung im häuslichen Unterricht. Corona-Milde in der Schule hat ausgedient.

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Bildungsminister Heinz Faßmann war gestern bei TT-Chefredakteur Alois Vahrner Premierengast von „Tirol Live“.
© Böhm

Innsbruck – Zur Premiere ein Minister. „Tirol Live“, das neue TV-Format der Tiroler Tageszeitung, startete gestern mit Bildungsminister Heinz Faßmann. Er rechne damit, dass an den Tiroler Bildungseinrichtungen nach Ablauf der dreiwöchigen Sicherheitsphase Ende kommender Woche die Stufe 2 gelten werde. Abhängig natürlich von der Entwicklung des Infektionsgeschehens.

Somit werden die Schultestungen fortgeführt. An den Volksschulen mangels Impfstofffreigabe für die unter 12-Jährigen sowieso, für die Altersgruppen darüber jedoch nur, sofern Kinder nicht geimpft seien. Immunisierte Schülerinnen und Schüler werden von der Testpflicht entbunden – eine freiwillige Teilnahme sei aber dennoch weiterhin möglich, kündigt Faßmann an.

📽️ Video | Bildungsminister Heinz Faßmann in „Tirol live"

Dass Österreichs Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sich offen dafür ausgesprochen hat, ungeimpfte Lehrer nicht länger unterrichten zu lassen, quittiert Faßmann mit einem Seitenhieb: „Das ist ein klein wenig ein naiver Zugang zur Problematik.“ Man habe die 3-G-Regel auch in der Schule eingeführt – ungeimpfte Lehrer hätten sich zu testen, um so ihre „epidemiologische Gefahrlosigkeit“ jederzeit nachzuweisen. Faßmann selbst lehnt die Impfpflicht für Lehrer weiter ab. Wenngleich der Bildungsminister damit rechnet, dass die Impfmoral beim Lehrpersonal insbesondere auch im Volksschulbereich noch steigen werde. Neue Zahlen hierzu will Faßmann Anfang Oktober vorlegen.

Der Impf-Status werde auch an den Unis eruiert und veröffentlicht. Zwar gebe es hier durchaus auch Bereiche, wo 2 G notwendig sein werden (Bsp: Kontakt mit Patienten), allgemein würden am Campus 3 G Geltung haben: „Unis werden nicht über Zoom-Konferenzen funktionieren.“

Präsenzunterricht oberste Priorität

Das schulische Testprogramm selbst verteidigt Faßmann auch gegen die „Chaos“-Rufe der Opposition. Vielmehr hätte die Schule durch das engmaschige Netz auch dafür gesorgt, dass die große Gruppe der Reiserückkehrer miteinbezogen werden konnte. Und auch die adaptierten Quarantäne-Regelungen für Schüler rechtfertigt Faßmann damit, dass die Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichts oberste Priorität genieße: „Wir können uns keine durchlöcherten Schulen erlauben.“

Ein Ende will Faßmann indes dem anhaltenden Trend zu Unterrichtsabmeldungen setzen. Zwar seien die aktuellen Zahlen niedriger als noch im letzten Jahr, jedoch warnt er Eltern eindringlich davor, zu meinen, sie könnten im häuslichen Unterricht die Schule ersetzen: „Das wird nicht einfach möglich sein.“ Definitiv rät Faßmann davon ab, gar den Weg in illegale private Lerngruppen zu beschreiten. Vielmehr sollen verpflichtende Beratungsgespräche, eine zusätzliche Externistenprüfung am Ende des ersten Semesters und fix zugeordnete Prüfungskommissionen eingeführt werden: „Ich werde keinen Prüf-Tourismus erlauben.“ Um ebendies zu verhindern, legt die Bildungsdirektion Tirol die Kommission schon seit Jahren selbst fest. Eine dementsprechende Verordnung hat das Ministerium gestern erlassen.

Zurück zu herkömmlichen Leistungsanforderungen

Auch was das verlangte Leistungsniveau betrifft, werde bald wieder schulischer Alltag einkehren, kündigt Faßmann an. Die letzten zwei Matura-Jahrgänge standen stark unter den Vorzeichen vorangegangener Schul-Lockdowns und „Home-­Schooling“. Infolgedessen wurden die Reifeprüfungen in Österreich vom Anforderungsprofil her reduziert.

Mit der Rückkehr zum Schulalltag werde man in den Schulen aber auch wieder zu den herkömmlichen Leistungsanforderungen kommen. Eine neuerliche „Corona-Matura“ schließt Faßmann damit aus. „Wir kommen jetzt wieder in eine Schule hinein, die normal funktionieren wird. Damit ist Leistung aber auch wieder verlangbar.“ (mami)

🎧 Podcast | „Tirol Live“ mit Bildungsminister Heinz Faßmann zum Nachhören


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