Der Spion als Hoffnungsträger für die gebeutelte Kinobranche

In wenigen Tagen startet nach langem Warten der neue Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“. Die pandemiegebeutelte Kinobranche erhofft sich viel davon.

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London – Dass sich James Bond so viel Zeit zum Sterben lassen würde, konnte Anfang 2020 niemand ahnen. Damals wurde der Kinostart des 25. 007-Films verschoben – anfangs auf April. Im März 2020 wurde November als neuer Starttermin für „Keine Zeit zu sterben“ angekündigt. Weitere Anlaufversuche folgten. Nun ist es so weit. In wenigen Tagen kommt der erste pandemieverschobene Blockbuster in die Kinos.

Die große Bond-Weltpremiere wird am 28. September in London gefeiert. Zwei Tage später, am 30. September, kommt „Keine Zeit zu sterben“ in die heimischen Kinos.

Längster Bond der Geschichte

Eine Auswertung via Streaming haben die beiden beinahe allmächtigen Bond-Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson ausgeschlossen. Bis zu 600 Millionen US-Dollar, heißt es, sollen einschlägige Anbieter für die exklusive Bondpremiere geboten haben. Zu wenig, dürften Broccoli und Wilson angesichts kolportierter Produktionskosten von 250 Mio. Dollar gedacht haben – und verpackten ihre Absagen in ein Bekenntnis zum Kino.

„Keine Zeit zu sterben“ – das zählt zum wenigen bislang Verbürgten – wird mit einer Laufzeit von 163 Minuten der längste Bond-Film der Geschichte. Und er ist der Schwanengesang für Daniel Craig als James Bond. Gut 60 Mio. Euro soll er sich für seinen fünften Einsatz „im Auftrag Seiner Majestät“ ausbedungen haben. Bei seinem Einstand mit „Casino Royale“ (2006) waren es noch 2,7 Mio. Euro gewesen.

Der österreichische Oscar-Preisträger Christoph Waltz kehrt in „Keine Zeit zu sterben“ als Oberschurke Blofeld zurück.
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Der Blick auf die bisherigen Einspielergebnisse rechtfertigt den Gehaltssprung: Jeder der bisherigen Craig-Bonds spielte bislang deutlich mehr als 500 Millionen Dollar ein. „Skyfall“ (2012) knackte gar die Milliarden-Grenze. Auch von „Keine Zeit zu sterben“ erwartet sich die von Pandemie und wachsender Streamingkonkurrenz gebeutelte Kinobranche einiges. Der neue Bond hat Signalwirkung für die postpandemische Zukunft des kommerziellen Kinos.

Plot „top secret"

Dabei war schon die Produktionsgeschichte des Film gelinde gesagt durchwachsen: Der ursprünglich engagierte Regisseur Danny Boyle („Trainspotting“) verließ das Projekt noch in der Planungsphase. Cary Fukunaga – bislang vornehmlich durch TV-Arbeiten, etwa „True Detective“, bekannt – übernahm. Phoebe Waller-Bridge („Fleabag“) wurde als Drehbuch-Doktorin ans Boot geholt. Sie sollte Bond zeitgemäßer und diverser machen. Nachdem sich Craig am Set verletzte, wackelte der anvisierte Filmstart schon lange vor Corona. Das Feuer auf der legendären Bond Stage in den Londoner Pinewood Studios blieb hingegen weitgehend folgenlos.

🎬 2006 bis 2021: Die Ära Craig

Als Daniel Craig, Jahrgang 1968, 2005 als Nachfolger von Pierce Brosnan vorgestellt wurde, war die Skepsis groß: zu unscheinbar, zu unbekannt, zu blond. Vier erfolgreiche Bond-Filme später war es Craig, der mit dem Part, der ihn zum Weltstar machte, haderte: Er würde sich lieber die Pulsadern aufschneiden, als nochmal 007 zu spielen. Mit „Keine Zeit zu sterben“ tritt er nun tatsächlich ab.

„Casino Royale“ (2006) stellte die Uhr auf null. Erzählt wird, wie James Bond zum Doppel-Null-Agenten wird – und seinen ersten großen Fall löst. Der Film basiert lose auf Ian Flemings erstem, 1952 erschienenen Bond-Roman. Bond ist verletzlicher und psychologisch differenzierter als in den Filmen davor. „Casino Royale“ gilt als einer der besten Filme der Reihe.

„Ein Quantum Trost“ (2008) schließt direkt an den Vorgängerfilm an. Stilistisch orientiert sich der Schweizer Regisseur Marc Forster stark an der populären Jason-Bourne-­Agenten-Action. Kritik und Publikum reagierten darauf recht gespalten. Gedreht wurde „Ein Quantum Trost“ unter anderem in Feldkirch und auf der Bregenzer Seebühne.

„Skyfall“ (2012) ist mit einem weltweiten Einspielergebnis von 1,1 Milliarden US-Dollar der kommerziell erfolgreichste Bond-Film überhaupt – und der erste seit „Diamantenfieber“ (1966), der einen Oscar gewann. Erzählt wird, wie sich James Bond den Geistern seiner Vergangenheit stellen muss. Javier Bardem brilliert als Schurke.

„Spectre“ (2015) hielt eine Zeitlang auch Tirol in Atem. Gedreht wurde unter anderem in Sölden und Obertilliach. Am Gaislachkogel erinnert inzwischen das „007 Elements“-Museum daran. In „Spectre“ werden die bisherigen Craig-Bonds zusammengeführt – und Oberschurke Blofeld (Christoph Waltz) steckt als Strippenzieher hinter allen Verschwörungen

Der Plot von „Keine Zeit zu sterben“ ist – natürlich – „top secret“. Bond soll sich zunächst im Quasi-Ruhestand auf Jamaika befinden. Christoph Waltz, das verrät bereits der Trailer, kehrt als Oberschurke Blofeld zurück. Den spielte der zweifache Oscarpreisträger bereits in „Spectre“ (2016). Dort erfuhr man auch, dass Blofeld der Sohn eines Kitzbüheler Bergführers ist.

Hauptbösewicht allerdings ist ein gewisser Safin, gespielt Rami Malek („Bohemian Rhapsody“). Er soll einen führenden Wissenschafter (David Dencik) entführt haben. Für dessen Befreiung wird Einzelkämpfer Bond zum Teamplayer: Er holt nicht nur seinen alten CIA-Zuarbeiter Felix Leiter (Jeffrey Wright) aus dem Ruhestand, sondern wird von der neuen Doppel-Null Nomi (Lashana Lynch) und der US-Agentin Paloma (Ana de Armas) unterstützt. (APA, dpa, jole)


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