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Analyse

TT-Analyse: MFG liefert Überraschung, KPÖ aber die Sensation

Elke Kahr könnte die erste KPÖ-Bürgermeisterin einer Landeshauptstadt werden.
© ERWIN SCHERIAU

Unglaublich! Dieses Wort kam einem in den Sinn, als knapp nach 16 Uhr die Hochrechner die ersten Daten aus Oberösterreich lieferten. Eine Partei, die erst im Februar gegründet worden ist, schaffte auf Anhieb den Einzug in den Landtag: MFG steht für „Menschen – Freiheit – Grundrechte“. Die Partei, die offen gegen Corona-Maßnahmen auftritt, befand sich vor wenigen Wochen noch unter dem politischen Radar. Jetzt ist die neue Liste in Oberösterreich sogar stärker als die NEOS.

Unglaublich! Dieser Begriff hätte mit Blick auf die MFG auch heute noch die Nachbetrachtung des Wahlsonntags bestimmt. Doch gewählt wurde auch in Graz, der zweitgrößten Stadt in Österreich. Und was sich dort ereignet hat, war schlichtweg eine Sensation, um nicht von einer politischen Bombe zu sprechen. In Graz wurde die KPÖ stimmenstärkste Partei. Die Grazer Kommunisten sorgten nicht nur dafür, dass ÖVP-Langzeitbürgermeister Siegfried Nagl wohl den Hut nehmen muss, dieses Wahlergebnis wird auch außerhalb von Österreich für Schlagzeilen sorgen.

Die KPÖ in Graz (und zusehends auch in der Steiermark) ist vieles, aber keine politische Eintagsfliege. Seit Jahren arbeitet sie mit sozialem Engagement und Bescheidenheit für die einfachen Menschen, für jene, die nicht auf die Butterseite gefallen sind. Und anders als andere Parteien sind sie für ihre Anliegen nicht nur knapp vor Wahlen aktiv. Es wundert daher wenig, dass KPÖ-Parteichefin Elke Kahr, sie könnte Grazer Bürgermeisterin werden, auch nach dem Sensationserfolg nüchtern und zurückhaltend blieb.

Und was bedeutet dies alles für die Bundespolitik? Wenig. In Oberösterreich wird die ÖVP nach ihrem Plus weiter mit der FPÖ zusammenarbeiten. Die Freiheitlichen bleiben dort trotz großer Verluste zweitstärkste Partei. Graz dämpft den Erfolg der ÖVP. Die Grünen können sich bei beiden Wahlen über Zugewinne freuen. Dies hilft ihr im Bund.

Und alle Parteien wissen: Die KPÖ ist und bleibt vorerst ein Grazer Phänomen.

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