Anschlag in Wien: Offenbar Komplize des Terroristen identifiziert

DNA-Spuren des 27-Jährigen wurden auf Patronen und Waffen gefunden, er könnte den Attentäter zum Tatort gefahren haben. Die Liste seiner Vorstrafen ist lang.

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Am 2. November 2020 hatte ein Attentäter in der Wiener Innenstadt mit mehreren Schusswaffen vier Menschen getötet und zahlreiche weitere teilweise schwer verletzt.
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Wien/St. Pölten – Die Polizei hat möglicherweise einen engen Komplizen des Wiener Terroristen identifiziert. Gegen den gebürtigen Afghanen, der die österreichische Staatsbürgerschaft hat, soll es viele Anhaltspunkte geben. Seine DNA-Spuren wurden auf Waffen und Patronen gefunden, die beim Anschlag verwendet wurden. Das berichtet Der Standard in seiner Donnerstagsausgabe. Der 27-jährige H.Z., der seit Dezember in Untersuchungshaft sitzt, soll unter anderem beim Attentäter gewohnt haben.

Sein Verhalten am Tag des Anschlags erscheint den Ermittlern laut Standard ebenfalls verdächtig: Sein Handy war ab Mittag bis zur Zeit des Attentats ausgeschaltet, danach wurde es deaktiviert. Seine Ehefrau nach islamischem Recht, verschaffte ihm ein Alibi, bis sie es widerrief: Sie erzählte, dass noch am Tatabend die Familie Z. gemeinsam Chats gelöscht und Spuren verwischt haben soll. Auch ein Schlüssel zur Wohnung des Attentäters soll an den Vater von H.Z. übergeben worden sein.

Die Familie Z. ist laut dem Bericht amtsbekannt. Das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz schreibt in einem Bericht, der „Clan" sei „seit Jahren als (...) zutiefst islamistisch-fundamentalistisch" identifiziert. Mehrere Cousins von H.Z. haben sich 2015 der Terrormiliz IS in Syrien angeschlossen, die meisten kamen ums Leben – ein Cousin soll im Irak inhaftiert sein.

Auch H.Z. ist den Behörden schon aufgefallen, die Liste an Verurteilungen des heute 27-jährigen gebürtigen Afghanen soll lang sein: Raub, Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung. Wäre er kein österreichischer Staatsbürger, hätte ihm mehrfach die Abschiebung nach Afghanistan gedroht, so Der Standard. So sei H.Z. in Österreich geblieben, einmal im Gefängnis, einmal wieder draußen. Er zeugte mit seiner Frau drei Kinder – mit dem Jüngsten wurde sie kurz nach dem Terroranschlag schwanger.

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Ambivalente Rolle der Frau

Die Frau „scheint sich ihrer Beziehung nicht sicher zu sein, ihre Rolle ist ambivalent", schreibt die Zeitung. Einerseits übersetze und korrigiere sie für H.Z. Texte des IS-Unterstützerportals „Ahlut-Tawhid Publications". Andererseits trennte sie sich drei Monate vor dem Anschlag von ihm, weil er eine Zweitfrau wollte. Und sie schrieb in Chats an Freundinnen, dass sie Angst habe. Zum Beispiel an jenen Sommertagen im Juli 2020, als ein internationales Jihadistentreffen in Wien stattfand. Damals baten deutsche Behörden ihre Kollegen in Österreich, eine Observation der aus Dortmund anreisenden Islamisten durchzuführen. Ermittler entdeckten auch den späteren Wien-Attentäter K.F. unter den Anwesenden. Er reiste nach dem Treffen in die Slowakei, um sich Munition zu kaufen. Dass diese Vorgänge keinen Alarm ausgelöst haben, wurde den Behörden später als Versagen ausgelegt.

Bisher nicht öffentlich bekannt ist, dass die deutschen, Schweizer und heimischen Jihadisten auch bei Familie Z. zu Gast gewesen sein sollen: Zuerst in der Wohnung der Eltern von H.Z., dann in seiner Wohnung mit seiner Frau. Auf deren Handy wurde von diesem Tag ein Foto mit zwölf Paar Schuhen gefunden. Das Handy des späteren Attentäters K.F. loggte sich am 19. Juli 2020 in der Nähe der Wohnung von H.Z. ein.

H.Z. sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft, seine Frau wurde enthaftet. Die Behörden haben den „dringenden Verdacht", dass er „die Stunden vor der Tat" mit K.F. verbracht habe, um diesen auf das geplante Attentat vorzubereiten. Sie halten es sogar für möglich, dass H.Z. ihn in die Nähe des Tatorts fuhr, fanden jedoch keine Spuren in den von H.Z. benutzten Autos. Es gilt die Unschuldsvermutung. Anwalt Elmar Kresbach unterstellte den Behörden, H.Z. „in etwas hineinzuziehen, um eigene Versäumnisse zu überspielen". Sein Mandant habe „nichts gewusst", den Attentäter „sicher nicht zum Tatort transportiert" und er sei in den Stunden vor dem Anschlag „sicher nicht beim Attentäter" gewesen. (APA)


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