Swarovski zieht die Reißleine, Headhunter sucht nach neuer Führung

Nach dem Abgang des umstrittenen Führungs-Duos Buchbauer/Margreiter ortet die AK Hoffnung für die Belegschaft. Ein Headhunter sucht Konzernlenker.

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Beim größten Tiroler Industriekonzern Swarovski kommt es zu einem Wechsel an der Konzernspitze.
© Rita Falk

Wattens ‒ Nach turbulenten eineinhalb Jahren zieht der Kristallkonzern Swarovski bei seiner Geschäftsführung die Reißleine. Robert Buchbauer, der im April 2020 als CEO die Führung des Konzerns übernommen hatte, sowie Finanzchef Mathias Margreiter (CFO) treten zurück, sollen aber Mitglieder des Verwaltungsrats bleiben. Neuer Interims-CEO soll ab Oktober vorübergehend Michele Molon und neuer Finanzchef Frederik Westring werden. Ein Headhunter soll nun externe Manager suchen, die den Konzern künftig operativ führen sollen.

Robert Buchbauer war seit April 2020 CEO bei Swarovski.
© AFP

Der radikale Kurs von Buchbauer und Margreiter mit dem Abbau von 1800 Mitarbeitern am Stammsitz Wattens und dem geplanten Konzernumbau hatte für große Empörung gesorgt und innerhalb des Swarovski-Familienclans einen Machtkampf losgetreten, der letztlich in einem Scherbenhaufen endete. Streitigkeiten rund um Gesellschafterbeschlüsse und den Konzernumbau landeten vor Gericht.

In einem Brief an alle Gesellschafter des Kristallkonzerns im Juli (der Inhalt lag der TT vor) forderte eine Gruppe um die größten Einzelgesellschafter Markus Langes-Swarovski und Marina Giori-Lhota (insgesamt zehn weitere Gesellschafter wie u. a. Evelyn Haim-Swarovski, Diana Langes-Swarovski oder Fiona Pacifico Griffini Grasser) bis Jahresende einen Wechsel an der Konzernspitze. Auch die Familiengruppe Manfred mit ihrem Vertreter Christoph Swarovski forderte ein externes Management.

Tirols AK-Präsident Erwin Zangerl sieht im Abgang von Buchbauer und Margreiter ein Zeichen, dass sich die Situation für die Beschäftigten bessern könnte. „Die Swarovski-Mitarbeiter waren seit über einem Jahr Spielball einer planlosen Geschäftsführung. Scheinbar hat man eingesehen, dass es so nicht geht“, so Zangerl: „Ich gehe davon aus, dass sich Swarovski seiner Verantwortung den Mitarbeitern und dem Land gegenüber wieder bewusst wird und den Swarovski-Schwan wieder aufleben lässt. Swarovski gehört nach Wattens.“ Auch Swarovski-Zentralbetriebsrätin Selina Stärz sieht in der Kursänderung ein Signal, um den Standort Wattens wieder zu stärken. Sie hofft, dass bei Swarovski „die Vorschläge des Betriebsrats zur Unternehmenspolitik wieder ernst genommen werden“.

Der Konzern stellte den Rückzug seines Führungsduos in einer Aussendung als friktionsfreien Vorgang dar. In den vergangenen Monaten sei „intensiv an einer weitreichenden Reform der Struktur und Unternehmensführung gearbeitet“ worden. Der Familie Swarovski sei es „gemeinsam gelungen, diese erfolgreich umzusetzen“. Der Rückzug von Buchbauer als CEO und Margreiter als CFO ermögliche eine familienunabhängige Führung des Unternehmens. Zudem solle der Verwaltungsrat um unabhängige Mitglieder erweitert werden. Zu den fünf Familienmitgliedern sollen zwei bis vier weitere Räte hinzukommen, die nicht der Familie angehören. Die Familieninteressen werden in der neu etablierten Familienholding gebündelt.

Swarovski gibt Airline ab

Swarovski will sich außerdem von seinem Businessflug-Unternehmen Tyrolean Jet Services (TJS) trennen. Es fänden bereits „vertiefende Gespräche mit potenziellen Interessenten“ statt, bestätigte der Konzern gegenüber der TT.

Künftig werde es keinen Bedarf an einem Business-Aviation-Unternehmen für Swarovski geben. In den vergangenen Jahren schrieb TJS Millionenverluste. Unlängst wurde die Belegschaft von 60 auf 30 Mitarbeiter halbiert. Mehr dazu

Neuer Technik-Vorstand bei Swarovski Optik

Zudem gab es Neuigkeiten im Personalbereich bei der Swarovski Optik mit Sitz in Absam in Tirol, die auch Teil der Unternehmensgruppe Swarovski ist. Andreas Gerk wird neuer Vorstand im Bereich Technik, hieß es. Er übernimmt mit 1. Oktober die Aufgabe von Gerd Schreiter, der in den Ruhestand tritt. (TT.com)


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