„Eine neue Ära der öffentlichen Mobilität“: Das Klimaticket kommt

Verkehrsministerin Gewessler (Grüne) feiert einen Meilenstein, Umweltschutzorganisationen und Opposition sehen Luft nach oben.

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Wer öfters Innsbruck-Wien fährt, für den könnte sich der Umstieg auf das Klimaticket lohnen.
© TT/Böhm

Wien – Ein Ticket für alle Öffis in ganz Österreich zum Preis von 3 Euro am Tag – das wird mit dem neuen Klimaticket Now Realität. Um 1095 Euro pro Jahr kann man ab dem Nationalfeiertag öffentlich durch das ganze Land fahren. Wer sich das Ticket gleich im Oktober kauft, bekommt noch einmal Rabatt. Erhältlich ist es online unter www.klimaticket.at und in den Kundencentern von IVB, VVT und ÖBB.

Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) gab die Einigung am Donnerstag gemeinsam mit den drei Landeshauptleuten von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland bekannt. Für Pendler in der Ost-Region ist das Klimaticket besonders attraktiv (siehe Artikel links).

Gewesslers „Herzensprojekt"

„Die Zeit des Wartens hat jetzt ein Ende – das Klimaticket ist komplett“, freute sich Gewessler vor der Presse und sprach von einem ihrer „Herzensprojekte“. Das Klimaticket bringe für viele Pendlerinnen und Pendler eine Geldersparnis. Laut der Verkehrsministerin werden damit „rund 100.000 Menschen günstiger fahren“. Es handle sich dabei um die „österreichweit größte Tarifreform“. Gewesslers Parteikollegin, die Tiroler LH-Stellvertreterin Ingrid Felipe, sprach von einer „neuen Ära der öffentlichen Mobilität in Österreich“.

Zeitgleich mit der österreichweiten Einigung wurde der Start regionaler Tickets in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland verkündet. Das Burgenland und Niederösterreich werden zu einer Region zusammengefasst. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) betonte, dass Pendlerinnen und Pendler nach Wien eine „Preisreduktion bis zu 61 Prozent bei der Jahreskarte“ erhielten.

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Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) verwies darauf, dass Wien mit der Jahreskarte um 365 Euro Vorreiter war. Der burgenländische Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil (SPÖ) betonte, für ihn sei immer die Leistbarkeit wichtig gewesen.

1-2-3-Ticket ließ sich nicht überall umsetzen

Ursprünglich war die Netzkarte mit drei Stufen als 1-2-3-Ticket geplant gewesen. Die 365 Euro pro Bundesland (wie in Wien) ließen sich aber nicht überall umsetzen. So ist Vorarlberg mit 355 Euro günstiger und Oberösterreich mit 695 Euro weitaus teurer. In Kärnten gibt es noch kein Flächenticket, die Planungen dazu laufen weiter.

Oppositionsparteien und Umweltschützer begrüßten die Einigung, forderten aber weitere Maßnahmen. SPÖ-Verkehrssprecher und Ex-Verkehrsminister Alois Stöger sah Verbesserungsbedarf beim Preis in manchen Bundesländern und wie FPÖ und NEOS auch bei den verfügbaren Verbindungen.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) verlangt als nächsten Schritt dort, wo es Mängel gibt, das regionale Bahn- und Busangebot auszuweiten. Zudem solle das Klimaticket um Carsharing-und Bikesharing-Angebote zu einer Mobilitätskarte erweitert werden. Der ÖAMTC bezweifelte, dass mit dem neuen Ticket tatsächlich ein deutlicher Impuls für den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr gesetzt wird. (car)


Vom Stufenplan bis zum fertigen Klimaticket

Wien – Es war kein einfacher Weg bis zum Klima­ticket. Rund 15 Jahre gibt es schon Pläne für eine derartige Netzkarte. Als im Jänner 2020 Türkis-Grün aus der Taufe gehoben wurde, war das „1-2-3-Österreich-Ticket zur Erreichung der Klimaziele“ bereits im Regierungsprogramm festgeschrieben. Es handle sich dabei um eine „klimaschonende Alternative zum motorisierten Individualverkehr, breit leistbar und zugleich unkompliziert zugänglich“.

Ursprünglich hätte es drei Stufen geben sollen: zuerst die österreichweite 3er-Stufe um drei Euro täglich (1095 Euro), dann die Varianten für zwei Bundesländer um 730 Euro, also zwei Euro am Tag, und die Tickets für ein Bundes­land um 365 Euro, also einen Euro pro Tag.

Im Rahmen der AUA-Rettung kündigte Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Juni 2020 an, dass die Finanzierung gesichert sei, der Beschluss im Ministerrat fiel im Juli. Zähe Verhandlungen mit Verkehrsverbünden und Bundesländern folgten, als besondere Herausforderung galt die Finanzierung. Insbesondere die Verkehrsverbünde forderten mehr Geld für Investitionen.

Mitte August stand zwar der Starttermin 26. Oktober fest und Verträge mit sechs Bundesländern, den ÖBB, Westbahn und Regiojet waren bereits fix. In fünf Ländern – Ausnahme Kärnten – wurden auch Regionaltickets fixiert. In Tirol kostet das Jahresticket für Erwachsene 509,40 Euro. Offen blieb der wichtige Verkehrsverbund Ost­region (VOR). Mit den drei Bundesländern im Osten – hier gibt es 60 Prozent des öffentlichen Verkehrs – waren die Verhandlungen besonders schwierig, eine Einigung erfolgte erst diese Woche. Dafür ist der Preissprung von einem Ostregion-Ticket auf das Klimaticket für ganz Österreich gering. (car)


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