Toyota Land Cruiser: Sieben Jahrzehnte Allradlegende

Der Toyota Land Cruiser gilt als der Geländewagen schlechthin. Mehr als zehn Millionen Exemplare wurden bisher von dem weltweit erfolgreichsten Offroader verkauft.

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Der erste Land Cruiser in Europa J4 und das aktuelle Modell J15.
© Armin Hoyer

Von Armin Hoyer

Maria Alm – Ausgehend von einer Ausschreibung der US-Armee im Jahr 1950 für ein Fahrzeug der japanischen Polizei entwickelte Toyota einen Prototyp. Aufgrund der damaligen Materialknappheit wurden vorhandene Komponenten beim Bau eingesetzt. Die Verwendung des Chassis eines 1-Tonnen-Trucks und des Motors eines 4-Tonnen-Lkw führte nicht ganz zum gewünschten Ergebnis des Auftraggebers, da es sich nicht um das gewollte, leichte Geländefahrzeug nach Vorbild des Jeep handelte. Das Auto war viel zu stark und schwer. Toyota war jedoch von seinem Offroader derart überzeugt, dass trotz der Absage daran festgehalten wurde. Nach laufender Verbesserung des Prototyps kam der Wagen unter der Bezeichnung „Toyota BJ“ im August 1951 als Vorläufer des heutigen Land Cruiser auf den Markt und wurde zum vollen Erfolg. Die Bezeichnung setzte sich aus dem „B“ für den B-Motor und dem „J“ für den Jeepstyle zusammen. Der Sechszylinder-Benziner schöpfte 85 PS aus 3,4 Litern Hubraum, womit er sich leistungsmäßig stark vom damaligen Mitbewerb abhob. Im Jahr 1954 durften Fahrzeuge exportiert werden. Ein Jahr später erschien mit dem J2 der erste Geländewagen unter der Bezeichnung „Land Cruiser“.

Nach massiven Verbesserungen der Produktionstechniken und -kapazitäten kam 1960 der J4 auf den Markt, der als Erster auch nach Europa exportiert wurde und den Beginn des weltweiten Erfolges des Land Cruiser und Toyota insgesamt darstellte. Dieses Auto war in erster Linie auf Offroad-Performance ausgelegt, Komfort durfte man sich keinen erwarten. Um vor allem am wichtigen US-Markt neue Käuferschichten im Freizeitbereich anzusprechen, ohne dabei das bestehende erfolgreiche Konzept zu verwässern, wurde eine zusätzliche Baureihe kreiert. So entstand im Jahr 1967 mit dem Land Cruiser Station Wagon J5 erstmals ein großes, luxuriöses Geländefahrzeug. Ab 1980 machte sich im Nachfolger J6 der Komfort so richtig breit. Zum Beispiel eine pneumatische Lordosenstütze und ein elektrisch verstellbares Lenkrad zählten schon damals zur Ausstattung. Nach zwei weiteren Modellen kam der J20 auf den Markt, der in der EU bis Ende 2015 angeboten wurde. Der V8-Diesel des Station Wagon konnte ab diesem Zeitpunkt die geltende Abgasnorm nicht mehr erfüllen. Auch das aktuelle Modell J30 mit V6-Motoren wird in Mitteleuropa nicht angeboten.

Im so genannten „Heavy Duty“-Segment für härteste Bedingungen folgte dem legendären J4 im Jahre 1984 der J7, der bis heute gebaut, aber nicht nach Westeuropa geliefert wird. Da die Nachfrage nach bequemeren Allradfahrzeugen in den Achtzigerjahren in Europa stark anstieg, brachte Toyota gleichzeitig einen J7 in der neuen „Light Duty“-Klasse auf den Markt. Dem robusten Arbeitstier mit Blattfederung wurde unter der Baureihenbezeichnung „Prado“ eine komfortablere Variante mit Schraubenfederung zur Seite gestellt. Der im Jahr 1996 erschienene Nachfolger J9 verfügte über wesentliche Weiterentwicklungen in Richtung des aktuellen Modells. Er verfügte als Erster über eine Einzelradaufhängung vorne und Mehrlenkerachse hinten. Beim derzeit einzigen in Österreich angebotenen Land Cruiser handelt es sich um den J15, der im Jahr 2009 auf den Markt kam. Es stehen ein Drei- und Fünftürer und Letzterer wiederum als Fünf- oder Siebensitzer zur Auswahl, bei der Ausstattung vier unterschiedliche Varianten. Nach mehreren Facelifts erhielt der Geländewagen im letzten Jahr einen überarbeiteten Motor. Der 2,8 Liter große Reihenvierzylinder-Diesel leistet jetzt 204 PS und verfügt über ein Drehmoment von 500 Nm bei einem Kraftstoffverbrauch von 7,0 Litern je 100 Kilometer.


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