Weidezone Tirol: Hechenberger heult jetzt mit neuem „Wolfsverein“

Bauernkammerpräsident wird Beirat im bisherigen Konkurrenzverein „Weidezone Tirol“. Grüne üben Kritik.

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„Alm ohne Wolf“ – das war bisher. Hauptinitiator Josef Hechenberger – hier mit AK-Präsident Erwin Zangerl, Wirtschaftskammerboss und Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf und Nationalrat Hermann Gahr (v. l. n. r.) – dockt künftig auch bei der Weidezone an. Freitag soll die Zusammenarbeit offiziell gemacht werden.
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Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Auseinandersetzungen über die großen Beutegreifer Wolf und Bär in Tirol haben im ÖVP-Bauernbund zu einer Zerreißprobe geführt. Zuletzt hat der erst vor wenigen Wochen gegründete Verein „Weidezone Tirol“ der im Vorjahr aus der Taufe gehobenen und von den Sozialpartnern und Gemeinden getragenen Initiative „Alm ohne Wolf“ den Rang abgelaufen. Weidezone-Obmann Stefan Brugger übt harsche Kritik an der Bauernbundspitze, insbesondere an Obmann und Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (VP) und Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger. Er wirft ihnen Versagen im Umgang mit den Problemwölfen vor.

Doch jetzt erfolgt eine überraschende Wende, ein Schreiben Bruggers sorgt für Aufregung. Denn darin kündigt er an, dass Bauernkammerpräsident Hechenberger künftig als Beirat bei ihm aktiv sein werde und die zwei Vereine eng zusammenarbeiten und ihre Kräfte bündeln würden.

„Der Verein ,Weidezone Tirol‘ ist eine dynamische Bewegung, die aktiv auf Leute zugeht und die in Zukunft vermehrt Veranstaltungen machen will und wird. Der Verein ,Alm ohne Wolf‘ ist eine statische Bewegung, die auf ihre Art meinungsbildend – vor allem hinsichtlich der Politik – wirkt“, beschreibt Brugger die aktuelle Situation. Durch den Zusammenschluss sei es daher noch schneller möglich, „die Landesregierung entsprechend zu motivieren“, den vorgeschlagenen Weg der Weidezone Tirol zu gehen. Und: „Wir werden von unserer Art, den Finger in die Wunde zu legen, nicht abweichen, keinen Millimeter. Es war und ist nicht unser Ziel, den Verein ,Alm ohne Wolf‘ zu bekämpfen, sondern unsere Vertreter im Bauernbund und in der Regierung zu motivieren, den Wolf zu bekämpfen, eine Weidezone Tirol zu schaffen und jedes Raubtier zu schießen.“

Hechenberger bestätigt gegenüber der TT, dass es zwei Treffen mit Brugger gegeben habe. „Es stimmt, wir wollen nicht gegeneinander auftreten, sondern gemeinsam gegen die großen Beutegreifer vorgehen.“ Eine Spaltung unter den Bauern müsse unbedingt verhindert werden, am Freitag würden die Weichen für die Zusammenarbeit gestellt werden. „Und es stimmt, es gibt das Angebot, dass ich entweder Vorstandsmitglied oder Beirat im Verein ,Weidezone‘ werde“, sagt Hechenberger und fügt hinzu, dass das alles selbstverständlich mit Bauernbundobmann Josef Geisler abgesprochen sei.

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Der grüne Landwirtschaftssprecher und Abgeordnete Georg Kaltschmid kann sich darüber nur noch wundern. „Was bringt das alles? Hechenberger weiß doch genau, dass es keine schnelle Lösung gibt und dadurch kein einziges Schaf vor einem Problemwolf geschützt wird.“ Das hätten die Bauern mittlerweile auch schon begriffen. Der vom Land eingeschlagene Weg mit der Expertenkommission sei der richtige. „Durch die beiden Vereine wird den Bauern etwas versprochen, was nicht geht“, wirft Kaltschmid dem Kammerpräsidenten vor.


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