Zuckerfalle am Frühstückstisch: 283 Cerealien getestet

Die Vorsorge-Initiative SIPCAN hat 283 Müslis und Cornflakes untersucht, die im österreichischen Handel erhältlich sind. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Viele Produkte sind zu süß oder zu fett.

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(Symbolfoto)
© axelbueckert / Photocase

Wien/Salzburg – Getreideprodukte wie Müslis, Cornflakes und andere Frühstückscerealien gehören für viele Menschen zu einem gesunden Start in den Tag. Die Vorsorge-Initiative SIPCAN hat 283 Produkte getestet und in etlichen viel zu viel Zucker gefunden, teils auch zu viel Fett. "Viele Müslis, Schokoflakes & Co sind enorme Zuckerfallen", warnen die Experten und raten zu bewusster Auswahl. Früchtemüslis und Porridges schnitten am besten ab, Knuspermüslis am schlechtesten.

In Anlehnung an die Weltgesundheitsorganisation WHO und die D-A-CH-Referenzwerte für die tägliche Zufuhr von Energie und Nährstoffen der Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz legten die Fachleute drei Kriterien fest: maximal 20 Gramm Zucker pro 100 Gramm Produkt (inklusive natürlich enthaltenem Zucker), maximal 20 Gramm Fett pro 100 Gramm und keine Süßstoffe bzw. Zuckeraustauschstoffe. Diese Vorgaben habe nur rund jedes zweite Produkt (53,7 Prozent) erreicht.

Der Müsli-Check

Zu den Ergebnissen von SIPCAN geht es hier

Immerhin erfüllten gut drei von vier Früchtemüslis und Porridges die Kriterien, von den verschiedenen übrigen Cerealien aber nur knapp die Hälfte. Am schlechtesten fielen die Ergebnisse für Knuspermüslis aus: Nur jedes dritte Produkt (37,5 Prozent) blieb innerhalb der Kriterien.

"Knuspermüslis waren auch die einzige Produktgruppe, in der Süßstoffe bzw. Zuckeraustauschstoffe zu finden waren, wobei der Anteil mit 6,7 Prozent relativ gering ist. Gleichzeitig hatten hier aber auch die meisten Produkte (17 Prozent) einen Fettgehalt von über 20 Gramm pro 100 Gramm", berichtete der Ernährungswissenschafter Manuel Schätzer, der die Studie geleitet hat.

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Viele Müslis erinnern an Süßigkeiten

Beim Zuckergehalt allein lagen 109 der 283 Produkte (38,5 Prozent) über der 20-Gramm-Grenze. Aber nur jedes vierte Früchtemüsli sei zu süß und nicht einmal jeder fünfte Porridge. "Die Spannweite des Zuckergehaltes reichte von 1,7 Gramm bis 45 Gramm pro 100 Gramm Produkt. Wobei sich in den süßesten zehn Prozent aller Produkte durchschnittlich 30,2 Gramm Zucker pro 100 Gramm versteckten," so Schätzer.

"Da unser Gehirn auf die laufende Zufuhr von Energie und Nährstoffen angewiesen ist, liegt der Einfluss der ersten Mahlzeit auf die kognitive Leistungsfähigkeit auf der Hand", sagte Friedrich Hoppichler, SPICAN-Vorstand und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Salzburg. Es sei deswegen "erschreckend", dass jeder dritte Schüler bzw. Schülerin im Alter zwischen elf und 17 Jahren "zuhause kein Frühstück isst".

Aber: Nur ein gutes Frühstück zählt. Eine Mahlzeit aus Vollkorn-und Milchprodukten sowie Obst oder Gemüse sei ideal, dazu ein Getränk. Müslis und ungesüßte Flakes seien eine wertvolle Alternative zu Brot und Gebäck. Der Zucker- bzw. Fettanteil vieler Knuspermüslis oder Schokoflakes hingegen "erinnert eher an Süßigkeiten", mahnte Hoppichler. Wie schon bei Getränken und Milchprodukten verfolgt SIPCAN (Special Institute for Preventive Cardiology And Nutrition) das langfristige Ziel, die Süße schrittweise zu senken. (APA)


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