Steuerexperte Doralt: „Das ist vor allem eine Tarifreform“

Dass die „kalte Progression“ nicht angetastet wird, sieht Steuerexperte Doralt keinesfalls kritisch. Er würde die Abschaffung sogar als sozial ungerecht empfinden.

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Finanz- und Steuerexperte Univ.-Prof. Werner Doralt
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Wie bewerten Sie die von der Bundesregierung präsentierte Steuerreform? Ist sie ein großer Wurf?

Werner Doralt: Jede Regierung bezeichnet ihre Steuerreform als großen Wurf. Aber auch diese Steuerreform ist vor allem eine Tarifreform.

Diese – wie Sie sagen – Tarifreform hat aber eine ökologische Komponente.

Doralt: Das ist zumindest ein Anfang. Es wird aber schwierig werden, den ökologischen Aspekt auszudifferenzieren, dass er auch für alle Bürger als gerecht empfunden wird. Was aber gänzlich unverständlich ist, ist die Beibehaltung des Dieselprivilegs.

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Im Wahlkampf haben sich alle Parteien für die Abschaffung der „kalten Progression“ ausgesprochen. Diese bleibt aber bei dieser Reform weiter bestehen?

Doralt: Ich weiß, ich mache mir jetzt keine Freunde. Aber ich sehe die Beibehaltung der „kalten Progression“ keinesfalls als kritisch. Würde sie abgeschafft werden, dann würden die Bestverdiener genauso profitieren wie die unteren Einkommen. Dies wäre aber sozial ungerecht. Denn eine Steuerreform, wie auch diese, versucht die unteren Einkommen mehr zu entlasten als die Besserverdiener. Zudem verschafft die kalte Progression für die kommenden Jahren einen Budgetpolster. Um es anders zu sagen: Die kalte Progression wird so zur Voraussetzung für die nächste Steuerreform.

Zufrieden mit der Steuerreform ist die Industrie.

Doralt: Das hat in erster Linie mit der Senkung der Körperschaftssteuer zu tun. Dies kommt aber vor allem Kapitalgesellschaften zugute, wenige Kleinunternehmern.

Das Interview führte Michael Sprenger


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