ORF-Chef Wrabetz will acht Prozent mehr Gebühren

Das Programmentgelt würde sich damit um 5 Cent auf 60 Cent pro Tag bzw. um 1,38 Euro auf 18,59 Euro pro Monat erhöhen. Zunächst muss allerdings der Stiftungsrat und später die Medienbehörde KommAustria zustimmen.

  • Artikel
  • Diskussion (2)
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.
© GEORG HOCHMUTH

Wien – ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz will acht Prozent mehr Gebühren von GIS-pflichtigen Haushalten für das größte Medienunternehmen des Landes. Das Programmentgelt würde sich damit um 5 Cent auf 60 Cent pro Tag bzw. um 1,38 Euro auf 18,59 Euro pro Monat erhöhen. Zunächst muss allerdings der Stiftungsrat und später die Medienbehörde KommAustria zustimmen. In Kraft treten würde die Erhöhung frühestens mit 1. März, wie Wrabetz vor Medienvertretern erklärte.

Wrabetz bereitete den Antrag auf Neufestsetzung des Programmentgelts im Einvernehmen mit dem designierten ORF-Generaldirektor Roland Weißmann vor, der in seiner gegenwärtigen Funktion als Chefproducer Fernsehen rund 400 Mio. verantwortet. Laut den beiden gilt es eine geschätzte Inflation von zehn Prozent abzudecken. „Wir haben uns dazu entschlossen, an den unteren gesetzlichen Rahmen zu gehen und acht Prozent vorzuschlagen", sagte der amtierende ORF-Chef.

Da die Gebühren in etwa zwei Drittel des Unternehmensumsatzes ausmachen, sei es „essenziell", diese richtig zu bemessen. „Wir rechnen nicht mit einer schlechten Werbesituation, aber mittelfristig ist das Wachstumspotenzial klassischer Werbung nicht so groß. Daher kommt der Anpassung der Programmentgelte besondere Bedeutung zu", meinte Wrabetz, der betonte, dass der ORF in der Vergangenheit wiederholt unter der Inflationsanpassung geblieben sei. Selbst im Falle der nun angestrebten Erhöhung würden die Gebühren laut Wrabetz im Zeitraum 2008 bis 2026 real um 15 Prozent sinken.

Weißmann will in „Programm, Programm, Programm" investieren. Dabei könne sich der Gebührenzahler auf mehr österreichische Fiktion einstellen – teilweise in Kooperation mit Netflix wie etwa im Falle der Serie „Die Totenfrau", gemeinsam mit ZDF wie bei „Soko Linz" oder mit dem BR bei „Alles finster – Überleben für Anfänger". Kooperationen seien neben den ebenfalls geplanten Eigenproduktionen wichtig, um „mit überschaubarem Budget möglichst viel Programm" bieten zu können und zugleich von den Besten zu lernen.

Um die Regionalität zu stärken, sollen im nächsten Jahr die „Starnächte" um eine im Burgenland erweitert werden. Ziel ist es zudem, die bisher sieben „Universum"-Eigenproduktionen pro Jahr auf zwölf zu erhöhen. ORF III, das im nächsten Jahr zehnjähriges Bestehen feiert, soll mehr Budget für Information und Kultur erhalten. „Geplant ist, ORF III weiterhin so erfolgreich zu führen und auszubauen", so Weißmann. Geprüft werde, ob der ORF eine zusätzliche Korrespondentenstelle aufmachen kann, um die „Information hochzuhalten und auszubauen." In den nächsten 14 Tagen soll bereits die „ZiB" auf TikTok durchstarten.

Kosten in der Produktion um 20 Prozent gesenkt

Wie man mit real weniger Geld all das finanzieren könne? Man habe es durch „knochenharte, tägliche Arbeit" geschafft, in den vergangenen zehn Jahren die Kosten in der Produktion um 20 Prozent zu senken, erklärte Weißmann. Wenig Einsparungspotenzial böte es dagegen, ORF Sport + als Streamingkanal zu führen. Sendermieten zahle man im Paket, so Wrabetz.

Ein etwaiges Schließen der Streaminglücke durch den Gesetzgeber – derzeit darf der ORF keine Gebühren für Streaming verlangen, wie der Verwaltungsgerichtshof entschied - habe man als „ordentlicher Kaufmann" nicht in die Neufestsetzung des Programmentgelts einbezogen, so der designierte ORF-Generaldirektor. Zu beziffern, wie viel die Streaminglücke dem ORF derzeit kostet, sei schwierig. Derzeit seien die Abmeldungen von der GIS aufgrund von reinem Streaming der ORF-Angebote aber „überschaubar", sagte Wrabetz. Der ORF-Chef rechnet nicht damit, dass die Lücke rasch geschlossen wird. Priorität habe aus ORF-Sicht ohnehin, mehr Bewegungsfreiheit im digitalen Raum zu erlangen. Die dafür nötige ORF-Gesetzesnovelle soll laut Regierung im kommenden Jahr erfolgen.

Die Anpassung der Programmentgelte ist im ORF-Gesetz verankert. Eine Anpassung muss alle fünf Jahre erfolgen. Zunächst muss der amtierende Generaldirektor dem Stiftungsrat einen Vorschlag zur Neufestsetzung des Programmentgelts vorlegen. Die 35 Rätinnen und Räte des obersten ORF-Gremiums prüfen diesen und können zustimmen oder ablehnen, jedoch keinen Änderungsantrag stellen. „Wir sind zuversichtlich, dass der Stiftungsrat die Erhöhung beschließen wird", sagte Wrabetz.

Kanzler Kurz gegen Erhöhung der Gebühren

Die Mehrheit im ORF-Stiftungsrat hält der ÖVP-„Freundeskreis". Bundeskanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz sprach sich erst am Wochenende in einem Interview mit Kronen Zeitung, Kurier und profil gegen eine Erhöhung der Rundfunkgebühren aus. Das ORF-Gremium tritt am 14. Oktober in dieser Angelegenheit zusammen. Im Anschluss hat der Publikumsrat die Möglichkeit zu einer Stellungnahme. Sollte diese gegen die Erhöhung ausfallen, kann der Stiftungsrat darauf beharren. Zuletzt muss die Medienbehörde KommAustria die Korrektheit der Berechnungen feststellen.

Derzeit erhält der ORF monatlich 17,21 Euro aus Radio- und Fernseh-Entgelt. Das sind in etwa zwei Drittel der Gesamtgebühren, die GIS-pflichtige Haushalte entrichten müssen. Denn zu diesem Betrag kommen noch Gebühren und Abgaben an Bund und Länder hinzu, wobei die Landesabgabe variiert. In der Steiermark ist sie mit 5,80 Euro am höchsten. Dort fallen insgesamt 26,73 Euro an Gebühren an. In Oberösterreich und Vorarlberg gibt es dagegen keine Abgabe an das Land und die Gebühr ist mit 20,93 Euro spürbar billiger.

Der ORF nimmt aktuell rund 650 Mio. Euro aus Gebühren ein. Findet der Antrag auf eine achtprozentige Erhöhung Zustimmung, stehen dem ORF im nächsten Jahr rund 20 Mio. Euro mehr zu Verfügung. Mit wie viel mehr Geld das öffentlich-rechtliche Unternehmen in den Folgejahren kalkulieren kann, konnten Wrabetz und Weißmann spontan nicht beantworten. Man habe es mit "komplizierten Mechanismen" zu tun. (APA)


Kommentieren


Schlagworte