Geldwäsche-Skandal in Italien: Ermittlungen gegen EU-Parlamentarier

Hochrangige Mitglieder der Oppositionspartei Fratelli d'Italia werden verdächtigt, ein System entwickelt zu haben, um Schwarzgelder im Wahlkampf für die Kommunalwahlen vom vergangenen Sonntag und Montag zu waschen.

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Mailand – Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den EU-Parlamentarier von Italiens oppositioneller Rechtspartei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens, FdI), Carlo Fidanza, im Rahmen einer Untersuchung wegen Geldwäsche und illegaler Finanzierungen aufgenommen. Die Ermittlungen betreffen auch Roberto Jonghi Lavarini, Kandidat der Partei bei den Parlamentswahlen 2018, wie italienische Medien berichteten.

Der Skandal um dubiose Gelder, die angeblich im Wahlkampf gewaschen wurden, war vergangene Woche ausgebrochen. Hochrangige Mitglieder der postfaschistischen Gruppierung werden verdächtigt, ein System entwickelt zu haben, um Schwarzgelder im Wahlkampf für die Kommunalwahlen vom vergangenen Sonntag und Montag zu waschen. Eine "schwarze Lobby" habe den Wahlkampf der rechten Partei finanziert.

Journalist schloss sich einer Gruppe Neofaschisten an

Die Affäre ist nach einer Reportage des Nachrichtenportals Fanpage aufgeflogen. Fast drei Jahre lang schloss sich ein Journalist von Fanpage einer Gruppe Neofaschisten und Ex-Militärs an und gab vor, Geschäftsmann zu sein. Dabei filmte er die Treffen einer neofaschistischen "Lobby", die seit Jahren bei den Fratelli d'Italia eine entscheidende Rolle bei der Suche von Kandidaten für Wahlen spielt. Bei den Treffen wurde auch über Möglichkeiten diskutiert, zwielichtige Geldquellen für den Wahlkampf anzuzapfen.

Der EU-Parlamentarier Fidanza wurde von einer versteckten Videokamera bei Treffen gefilmt, bei denen derbe Witze über "Neger", Juden und Migranten sowie sexistische Äußerungen gemacht wurden. Fidanza wurde am Freitag von all seinen Ämtern in der Partei freigestellt. Er kündigte eine Klage wegen Verleumdung an.

Die FdI stellt bei den Bürgermeisterwahlen in der Hauptstadt Rom den Juristen Enrico Michetti als gemeinsamen Kandidaten des Mitte-Rechts-Lagers. Michetti hat gute Chancen, neuer römischer Bürgermeister zu werden. Er stellt sich einer am 17. und 18. Oktober geplanten Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Kandidaten und Ex-Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri. Mit circa 20 Prozent der Stimmen könnte die FdI laut Umfragen bei Parlamentswahlen zur stärksten Einzelpartei aufrücken. Bei den Kommunalwahlen schnitt die Partei jedoch nicht so gut ab, wie sie es sich erhofft hatte. (APA)


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