Erinnerungen an Georg Danzer: Posthume Würdigung vom Präsidenten abwärts

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Georg Danzer 1996 bei einem Auftritt in Innsbruck.
© Fischer

Wien, Innsbruck – Möglicherweise war er jener aus der ersten Generation des Austropop, der am tiefsten im Ozean der traurigen, hintergründigen Lieder fischte. Es soll Zeitgenossen geben (Namen dem Redakteur bekannt), denen „Ruaf mi ned an“ auch beim 1000. Mal noch ein Tränchen abverlangt. Am heutigen Tag würde Georg Danzer kalendarisch seinen 75. Geburtstag feiern. Erst den 75. Doch schon 2007 musste sich der Wiener Musiker einem Krebsleiden beugen und vom irdischen Dasein verabschieden.

Danzer wirkt nach, bis heute. Selbst Bundespräsident Alexander Van der Bellen verneigt sich vor dem Künstler. „Seine Texte bringen zum Stirnrunzeln, zum Nachdenken und zum Lächeln. Und oft alles zusammen“, schreibt das Staatsoberhaupt im Vorwort einer eben erschienenen posthumen Würdigung. „Georg Danzer – Sonne und Mond“ heißt das Buch, benannt nach einem Live-Album aus dem Jahr 2002.

Danzers Manager Franz Christian Schwarz und Musikjournalist Andy Zahradnik haben als Autoren Wegbegleiter Danzers besucht und deren Erinnerungen aufgeschrieben. Viele wollten dem „Schurli“ in Worten noch einmal die letzte Ehre erweisen: Freunde und Musikerkollegen wie Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich, Andy Baum oder Konstantin Wecker. Dazu Journalisten, Musik-Insider – und Schulkollege Franz Schuh. Mit dem Essayisten ging Danzer ab 1957 in Wien gemeinsam ins Gymnasium.

Die Biografien der Gesprächspartner umspannen 50 Jahre der jüngeren österreichischen Musikgeschichte. Marianne Mendt (Jg. 1945), die sich gegen die Chiffre „Mutter des Austropop („Wie a Glock’n“) gar nicht erst wehrt, erinnert sich, dass der schüchterne Georg anfänglich Lieder eigentlich nur für andere schreiben wollte. Voodoo Jürgens alias David Öllerer (Jg. 1983), Dialekt-Liedermacher der neuen Generation, sinniert über den Einfluss der alten Herren wie Danzer, Ambros und Co. Das alles liest sich unterhaltsam, aufschlussreich und nicht ganz Melancholie-frei. Georg Danzer hätte sich gefreut über so viel Dank und Anerkennung. (mark)

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Erinnerungen Franz Christian Schwarz, Andy Zahradni: Georg Danzer - Sonne und Mond. Rückblicke und Einblicke. Ueberreuter, 232 Seiten, 25 Euro.


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