Schüler bestellten Blüten: Prozess am Landesgericht

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„Falsche Fufzger“: Drei Schüler hatten zehn gefälschte 50-Euro-Scheine im Internet bestellt.
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⚖️ Wenn drei Schüler höherer Schulen am Landesgericht die Anklagebank drücken, so hat dies Seltenheitswert. Sagt die Kriminalstatistik doch schon seit Jahren aus, dass Jugendkriminalität meist mit niedrigem Bildungsgrad einhergeht. Die drei einstigen Freunde dachten aber wohl, sie wären zu schlau. So hatten sie sich im zarten Alter von teils erst 16 Jahren in das Darknet (die dunkle Seite des Internets) eingeloggt und dort Cannabis bestellt. Da dies problemlos gelaufen war, kam dem Trio die Idee, doch auch einmal Falschgeld zu bestellen. Die Ausführung zeugte gestern für den Schöffensenat von hoher krimineller Energie. So gingen die Schüler arbeitsteilig vor. Einer suchte einen Volljährigen, der 70 eingesetzte Euro in Bitcoins umwechseln sollte. Einer wiederum suchte nach einem Außenstehenden, der das Paket später in Empfang nehmen sollte. Der Dritte war wiederum für die Bestellung über die Bitcoin-Codes zuständig. Für 70 Euro hatte man laut Angaben des einzig geständigen Erstangeklagten dann zehn 50-Euro-Scheine zum Verpulvern bestellt. Dazu war es durch einen unglaublichen Zufall jedoch nie gekommen. Die Mutter des getarnten Empfängers (ein Mädchen) ist nämlich Postangestellte. In deren Hände gelangte dann ein verdächtiges Päckchen – adressiert an ihre Tochter. Dass der Erstangeklagte die Mitangeklagten aus Rache belastet hatte und diese nur zufällig in die Sache geraten waren, glaubte der Schöffensenat nicht: „Wir sind uns sicher, dass alle drei Angeklagten an der Tat beteiligt waren. Hier sitzt aber kein Geldfälscherring, sondern sehr junge Männer, die auf die sehr schlechte Idee gekommen sind, ihre Finanzen etwas aufzubessern.“ Das Gericht verbaute dem Trio die Zukunft nicht, reagierte aber mit einem Damoklesschwert: Schuldspruch wegen Geldfälschung, aber Vorbehalt eines Strafausspruchs auf drei Jahre Probezeit. Auch nach dem Jugendgerichtsgesetz drohen für Geldfälschung bis zu fünf Jahre Haft.


⚖️ Weiter seinem Honorar nachlaufen muss wohl ein Rechtsanwalt. Dieser hatte 2013 einen Unternehmer vertreten, war jedoch nie bezahlt worden. Als der Advokat dann wenigstens auf die Firmenanteile des Verschuldeten zugreifen wollte, hatte dieser jene an die Mitgesellschafter verschenkt. Betrügerische Krida für Staatsanwaltschaft und Anwalt, welcher im Prozess 7000 Euro zurückforderte. Am Landesgericht (LG) konterte der Verteidiger des Angeklagten aber, über ein LG-Urteil sei schon festgestellt worden, dass von einem Beiseiteschaffen der Anteile keine Rede sein könne. Eine potenzielle Verwertung und der Zugriff sei für Gläubiger weiter möglich, auch wenn die Anteile an sich wertlos seien. Freispruch von betrügerischer Krida. Der Richter höflich: „Dieses Urteil hat Ihnen heute den Allerwertesten gerettet!“ (fell)

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