Experten: Teuerung bremst sich nächstes Jahr ein

Trotz CO2-Steuer erwarten Raiffeisen-Ökonom Brezinschek und Notenbank für 2022 und 2023 geringere Inflation. Offener Punkt: die Metaller-Löhne.

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Nächstes Jahr sollen sich Preissteigerungen wieder einpendeln.
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Innsbruck – Baustoffe, Energie, Wohnen, Essen – in vielen Lebensbereichen sind heuer die Preise gegenüber dem Vorjahr spürbar angestiegen. Was auch daran liegt, dass im Pandemie-Jahr die Preise zum Teil in den Keller gerasselt waren, wie Raiffeisen-Ökonom Peter Brezinschek gestern im Raiffeisen-Konjunkturausblick betonte. Teilweise habe es ja gar keine Preise gegeben, weil alles zu war. „Was wir derzeit erleben, ist daher keine Inflation, sondern es sind Teuerungsraten, die auf die extrem niedrigen Vergleichspreise von 2020 zurückzuführen sind. Daher jetzt die höhere Steigerung“, so Brezinschek.

Wie geht es nächstes Jahr weiter? „Die Teuerungsrate wird zurückgehen“, sagt der Ökonom. Rohstoff und Energiepreise würden sich kommendes Jahr nicht noch einmal verdoppeln, zudem seien die Vergleichspreise aus dem laufenden Jahr bereits hoch. Die CO2-Steuer, die ab Juli 2022 in Kraft tritt und diverse Produkte wie etwa Sprit oder Heizöl verteuert, werde allerdings die Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2022 um 0,5 bsoll sich is 0,8 Prozentpunkte anheben. Auch die Folgewirkungen der Metaller-Lohnverhandlungen könnten sich auf die Inflation auswirken. Die Gewerkschaft fordert Erhöhungen von 4,5 Prozent. „Das wird sich wohl nicht spielen. Ich kann mir aber eine Erhöhung von 2,5 bis 3 Prozent vorstellen“, meint Brezinschek.

In den letzten 10 Jahren habe es außergewöhnlich niedrige Inflationsraten gegeben, erinnert der Ökonom. „Künftig wird es dagegen etwas höhere Inflationsraten geben, weil die Globalisierungseffekte nicht mehr so stark sind, weil Regionalisierung zunimmt, weil sich die Demografie verändert – das alles kostet Geld.“

Auch die Nationalbank erwartet 2022 eine Entspannung an der Inflations-Front. Heuer steige die Inflation auf 2,4 Prozent und sinke 2022 auf 2,2 Prozent, erwartet die Nationalbank. Für 2023 wird mit einer Teuerung von 1,8 Prozent gerechnet. Das werde vor allem Preisrückgängen bei Energie zu verdanken sein.

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2022 werde der Wirtschaft auch ein höheres Wachstum bescheren, meint Raiffeisen-Experte Brezinschek. Der Welthandel sei bereits auf Vor-Covid-Niveau und die Investitionstätigkeit enorm. „Das wird uns 2022 ein überdurchschnittliches Wachstum bescheren: Für Österreich erwarten wir ein Plus von 4,5 Prozent. Und der Aufschwung wird auch 2023 anhalten.“

Bereits heuer wachse Österreichs Wirtschaft um 4,5 Prozent. Entsprechend gehe es auch den Tiroler Produktionsbetrieben gut, sagt RLB-Tirol-Vorstand Thomas Wass. 62 Prozent berichten von einer guten Auftragslage. Sollte der Tourismus wieder vollständig wirtschaften können, werde Tirol im kommenden Jahr „den Turbo zünden“. (mas)


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