Manu Delago im Treibhaus: Leises Spektakel im Turm

Manu Delago und sein neues Programm „Environ Me“: Leise läutet der Musiker eine neue Konzertsaison im Treibhaus ein.

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Manu Delago und sein Hang: Der Track „Curveball“ ist eines von mehreren Highlights in „Environ Me“.
© Böhm

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Seit dem Wochenende macht das Innsbrucker Treibhaus seinem Namen alle Ehre. Im Turm wächst und gedeiht es, schon beim Aufstieg wird man von bunten Blumenstöcken empfangen. Sogar auf den Rängen hat sich reichlich Blattwerk breitgemacht. Alles für die Eröffnung des Konzertturms am vergangenen Wochenende, ein kleines Highlight zum heurigen 40. Treibhaus-Jubiläum. Gefeiert wird bis auf Weiteres mit halber Auslastung: Der Turm bleibt halb Konzerthalle, halb Gewächshalle. Natürlich aufgrund von Corona. Denn aufsperren wollte Treibhaus-Chef Norbert Pleifer den Turm bis zum Ende der Covid-Maßnahmen eigentlich nicht. Nach einigen Querelen um die „Gartenkonzerte“ (die TT berichtete) wurde Pleifer nach eigenen Angaben aber quasi gezwungen, die Musik zum Überwintern ins Innere zu holen. Den Garten nahm er gleich mit. Dafür gab es am Dienstagabend auch ein ironisches „Vielen Dank für die Blumen“ in Richtung Politik. Inzwischen freue er sich über den neu erblühten Turm, sagte Pleifer vor rund 160 Gästen. Schließlich bietet dieser Raum für das neue Programm von Manu Delago – seit 98 Treibhaus-Konzerten ein Garant für ausverkaufte Ränge. So auch am Dienstag und am gestrigen Mittwochabend. Und dass der Tiroler Ausnahmemusiker mit „Environ Me“ die Umwelt musikalisch in den Konzertsaal holt, passt natürlich perfekt ins Blumenbouquet.

Neu ist: Manu Delago steht zum ersten Mal alleine auf der Bühne – gewohnt ist der Hang-Spieler, der schon mit der isländischen Musikelfe Björk oder der Sitar-Virtuosin Anoushka Shankar tourte, nicht. Auch nicht als Soloartist. Mitmusiker hat Delago nun gegen drei Klangstationen getauscht, neben den Hang bespielt Delago auch ein Drumset und weitere Perkussionsinstrumente. Dahinter drei Bildschirme. Richtig gedacht, hier spielt also nicht nur der Klang eine Rolle.

Obwohl dieser im Mittelpunkt steht: Für „Environ Me“, das Ende September als Album herauskam, sammelte Delago Klänge aus seiner Tiroler Umwelt. „Emberplay“, versetzt das Publikum zu Konzertbeginn an ein Lagerfeuer, in dem das Holz knackt, während die Melodie sanft dröhnt, sich allmählich mit dem aufflammenden Feuer aber ständig in seiner Intensität steigert. Dabei geht es jetzt erst los. Auf Feuer folgt Wasser: Auch „Liquid Hands“ plätschert zunächst so dahin, um schlussendlich in einem reißenden Elektro-Strom zu münden. Und erstmals knallt es im Treibhaus so richtig.

Damit hat sich Delago am ersten Abend auch endgültig von anfänglichen Unsicherheiten befreit. Spätestens bei „Acoustic Aviation“, für das Delago beim Paragleiten Orgelpfeifen singen ließ, ist er warmgespielt. Während man dem Künstler selbst im Hintergrund beim Gleitflug über ein winterliches Tirol zuschaut, fliegen vorne Hände, Finger und Füße zwischen den Instrumenten hin und her.

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Neben dem beeindruckenden musikalischen Multitasking ist das Besondere am neuen Programm Delagos das Zusammenspiel von Visuals, Licht und Sound. „Environ Me“ ist ein Erlebnis. Ein Highlight von vielen: Das eingängige „Curveball“, bei dem ein einfaches Ballspiel zum sinnlichen Spektakel wird. Übrigens ohne dabei (bis auf wenige Akzente) wirklich aufdringlich laut zu werden. Die vielen stillen, atmosphärischen Passagen treffen das Publikum genauso wie das opulente Klanggewitter zum Ende des Gigs. Passt beides zur Post-Corona-Saison im Treibhausturm, wo nach stilleren Konzerten hoffentlich irgendwann auch wieder abgerockt werden kann. Es gilt schließlich ein Jubiläum zu feiern.


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