Premier League: Wenn Fußball-Stars zu Impfgegnern werden

Bei den Fußball-Stars der englischen Premier League scheint die Impfung ein „Imageproblem“ zu haben. Laut einem Zeitungsbericht sind fast zwei Drittel der Profis in Englands erster Liga nicht geimpft.

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Der zuletzt beim Schweizer Team an Corona erkrankte Arsenal-Profi Granit Xhaka scheint zu den Impfgegnern zu gehören.
© AFP

London – Jürgen Klopp hat kein Verständnis für Impfgegner. „Ich möchte an diese Leute appellieren“, sagte der Liverpool-Coach am Wochenende, „egal, ob sie Fußballer sind oder wer auch immer – die Impfstoffe wirken.“ Sein Trainerkollege Thomas Tuchel vom FC Chelsea äußerte sich da schon zurückhaltender. „Die Spieler sind Erwachsene und können frei entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen oder nicht“, sagte Tuchel, der selbst aus Überzeugung geimpft ist. „Wir müssen das akzeptieren.“

Wie viele Chelsea-Profis geimpft sind, vermochte Tuchel nicht zu sagen. Beim FC Liverpool sind es laut Klopp 99 Prozent der Spieler. Konkrete, offizielle Zahlen zur Impfquote veröffentlichen zwar weder die Premier League noch die Clubs, doch laut einem Bericht der Daily Mail sind fast zwei Drittel der Spieler in Englands Spitzenliga nicht geimpft – und viele lehnen eine Impfung offenbar ab.

Verschwörungstheorien in den Umkleidekabinen

Die Zeitung berichtete von Club-Mitarbeitern, die anonym über Verschwörungstheorien sprechen, die in den Umkleidekabinen der Topvereine angeblich weit verbreitet sind – von drohender Impotenz bis zur Kontrolle durch Bill Gates’ Mikrochips. Teilweise würden gestandene Profis den Nachwuchs damit beeinflussen. Laut der Times sollen mehrere Spieler von Rekordmeister Manchester United die Impfung zudem aus religiösen Gründen abgelehnt haben.

In der Premier League fürchtet man nun, dass der öffentliche Rückhalt für die Fußballer schwindet, nachdem für die Stars in Corona-Zeiten so viele Ausnahmen – etwa beim Reisen – gemacht wurden, die für andere Menschen nicht gelten. Wenn nun ausgerechnet diese Spieler die Impfung verweigern und zudem weitere Ausnahmen für sich beanspruchen, ist von der Bevölkerung kein Verständnis zu erwarten.

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Um dem entgegenzuwirken, will die Premier League neue Anreize setzen. „Wir überlegen, ob und wie wir die Mannschaften/Spieler, die Covid-konform sind, am besten ‚belohnen‘“, hieß es in einem Schreiben der Liga, aus dem britische Medien zitierten. Demnach sind sogar nur bei sieben Clubs mehr als die Hälfte der Spieler vollständig geimpft. „Wir haben also noch ein Stück zu gehen“, hieß es. Vereinen mit einer besonders hohen Impfquote stellt die Premier League eine Lockerung der strengen Corona-Regeln im Stadion in Aussicht. Dass sich die Impfskeptiker damit überzeugen lassen, ist jedoch fraglich.

Hassbotschaften an Southgate

Unterdessen hat die Diskussion die englische Nationalmannschaft erreicht. Unter den erklärten Impfgegnern sind laut der Zeitung The Sun nämlich mehrere – nicht namentlich genannte – etablierte Stammkräfte des Vize-Europameisters. Hinter den Kulissen soll es brodeln, denn Nationaltrainer Gareth Southgate hat sich in der Öffentlichkeit deutlich für die Impfung ausgesprochen.

Dass Spieler öffentlich Stellung beziehen, ist hingegen nicht zu erwarten. Aus Angst vor Anfeindungen halten sich die Profis mit solchen Appellen zurück. Southgate hat es selbst erlebt. Im Sommer hatte er sich an einer Kampagne des nationalen Gesundheitsdienstes NHS beteiligt und junge Leute aufgerufen, sich impfen zu lassen. Daraufhin bekam der Coach nach eigener Aussage mehr Hassbotschaften als nach sportlichen Enttäuschungen in seiner Vergangenheit.

Am Samstag bestreitet England ein WM-Qualifikationsspiel in Andorra. In den Pyrenäen sind die strengen Reisebeschränkungen für vollständig Geimpfte gelockert. Für die Ungeimpften im Kader gilt in diesem Fall eine spezielle Ausnahme, die mit einer Quarantäne einhergeht. Bei der WM 2022 in Katar wird es solche Sonderregeln voraussichtlich nicht geben. Nach aktuellem Stand werden an dem Turnier im nächsten Jahr nur vollständig geimpfte Profis teilnehmen dürfen.

Allerdings soll sich die FIFA aktuell in Gesprächen mit den WM-Gastgebern befinden, was eine Lockerung der Impfpflicht betrifft.

Beim deutschen Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Berlin geht man einen anderen Weg, dort müssen ungeimpfte Spieler für die PCR-Tests künftig selbst zahlen. Das bestätigte der Berliner Bundesligist. Zuvor hatten die Bild und die B.Z. darüber berichtet. Herthas Sportvorstand Fredi Bobic hatte den beiden Boulevard-Blättern gesagt, dass sie eine Impfquote von über 90 Prozent hätten. (dpa, t.w.)


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