Digitaler Kuhhandel soll Umwelt schonen: Mit wenigen Klicks zum Vieh

Zwei Niederösterreicher haben eine App entwickelt, die Viehversteigerungen digitalisiert. So sollen Transportwege gespart und die Umwelt geschont werden.

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Florian Aspalter (l.) und Wolfgang Schiessl bringen die Digitalisierung in den Stall. Statt in Versteigerungshallen sollen Nutztiere über ihre App Viehworld angeboten werden.
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Mostviertel, Innsbruck –Die Digitalisierung zieht in den Stall ein. Zumindest wenn es nach Florian Aspalter und Wolfgang Schiessl geht. Die beiden Niederösterreicher wollen mit ihrem Unternehmen Viehworld den Nutztierhandel aus den Versteigerungshallen ins Internet holen. Mit nur wenigen Klicks sollen Rinder, Schweine, Schafe und Co. über das Smartphone ersteigert oder verkauft werden. So sollen unter anderem Transportwege verkürzt werden, erklärt Schiessl. Der Mostviertler ist eigentlich Tierarzt und hatte die Idee zum digitalen Kuhhandel. Denn traditionelle Versteigerungen dauern bis zu drei Tage und „sind ein enormer Stress für die Tiere“, sagt er. Das Tier müsse angemeldet, gewaschen, geliefert werden – „und wird es nicht verkauft, war der ganze Aufwand umsonst“, fährt er fort. Dann kehre das Tier zurück in den Stall und bringe im schlechtesten Fall noch Krankheiten mit. „Die Rinder werden in der Versteigerungshalle nebeneinander angekettet, wodurch das Risiko für Virenübertragungen steigt“, erklärt der Tierarzt.

All das will Viehworld nicht weniger als revolutionieren. Denn Nutzer der App können ihre Tiere digital zum Kauf anbieten oder umgekehrt ersteigern. Mithilfe eines geografischen Filters werde gewährleistet, dass der Verkauf in der Umgebung stattfindet. So sollen Transportwege wegfallen, das Tierwohl steigen und die Umwelt geschont werden. Um sicherzustellen, dass die Daten der Nutztiere auch stimmen, müssen sich die User über ihren persönlichen E-Account der AMA anmelden.

Das Marktpotenzial sei enorm, sagen die Gründer. „In Österreich gibt es rund 54.000 Rinderhalter, wobei jeder Betrieb im Durchschnitt 35 Tiere hat. Demnach existieren in Österreich knapp 1,9 Mio. Kühe. Allein der Versteigerungsmarkt für Rinder beläuft sich auf 77 Millionen Euro bei gut 60.000 Tieren“, rechnen Schiessl und Aspalter vor. Letzterer ist Banker und kümmert sich um alle finanziellen Angelegenheiten des Unternehmens. Finanzieren will sich die Plattform über Provisions- und Werbeeinnahmen.

Den Tieren sollen so Wege erspart bleiben.
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Seit einem Monat ist Viehworld nun am Markt. Ca. 2000-mal wurde die App seither heruntergeladen, rund die Hälfte der Downloads übersetzt sich auch in echte Nutzung. Die meisten User kommen mit 31,27 % der Gesamtdownloads aus Niederösterreich, wo das Projekt geboren wurde. Bereits an vierter Stelle steht aber (gleichauf mit Kärnten) Tirol mit 9,29 Prozent. Tendenziell steigen die Log-ins im Westen, freut sich Schiessl. „Die größte Herausforderung ist es nun, die Landwirte zu überzeugen.“ Die Hoffnung liege auf den 20- bis 30-Jährigen. Denn während der Alt-Bauer noch alles auf einen Zettel schreibe, „steht der junge schon mit dem Smartphone daneben“.


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