Schiefe Optik: Peter Assmann stellt im Schloss Tirol aus

Bei Peter Assmanns Ausstellung „Transferteppich“ auf Schloss Tirol geht es um mehr als die Kunst.

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Die Ausstellung „Transferteppich“ läuft noch bis 21. November auf Schloss Tirol, das Euregio-Museumsjahr bis Ende 2021.
© Schloss Tirol

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck, Dorf Tirol – Anfang September wurde auf Schloss Tirol bei Meran der „Transferteppich“ ausgelegt. Eine Ausstellung, die nicht einfach nur besprochen werden kann. Es ist Peter Assmann, Direktor der Tiroler Landesmuseen (TLM), der hier ausstellt. Zeichnungen, mehrfach überarbeitet, ein Spiel von Sprache und Linie. Sein „Outing“ als Künstler und Schriftsteller hatte Assmann 1995, seitdem führt er laut eigenen Angaben eine „diskrete Karriere“. Mit Ausstellungen vornehmlich außerhalb Tirols, u. a. 2018 in Ravenna. In den eigenen Museen auszustellen, ist für ihn „selbstverständlich ein No-Go“.

Wieso eine Schau des Museumschefs nun trotzdem so manchem in der Szene sauer aufstößt: „Transferteppich“ ist Teil des Euregio-Museumsjahres. Und Assmann ist Mitglied der Steuerungsgruppe zu ebenjenem Museumsjahr. Er war mitunter für die Auswahl des Programms zuständig. Zu Recht empörten sich Kulturmenschen, sieht es doch so aus, als hätte Assmann nicht nur dafür gesorgt, dass die TLM (konkret Volkskunstmuseum und Zeughaus) ein Stück vom Euregio-Kuchen abbekamen, sondern auch er als Künstler. Insgesamt 60 Museen sind Teil der Initiative, die mit 750.000 Euro finanziert wird, 450.000 allein für Museen. Möglich gemacht zu gleichen Teilen aus Tirol, Südtirol und dem Trentino, rechnet Projektleiter Andreas Eisendle vor.

Dass Assmann im Programm quasi als doppelter Nutznießer aufscheint, sorgte selbst im Kulturbeirat des Landes Tirols für kritische Nachfrage, bestätigte Melanie Wiener, stellvertretende Kulturamtsleiterin und ebenso Mitglied der Steuergruppe. An der schiefen Optik sei eine „unglückliche Projektkommunikation“ schuld, meint sie. Die 150.000 Euro eines jedes Euregio-Teils dienten nämlich zur Förderung kleiner Museen, in Tirol etwa die Ötztaler Museen. Die großen Dampfer, sprich die TLM, wurden aufgefordert mitzumachen, es gab aber kein Extrageld. „Es geht ums Mitbewerben“, sagt Wiener. Man könnte sagen, das Programm wird künstlich aufgebauscht. Eine Vorgangsweise, die ans Maximilian-Jahr 2019 erinnert.

Ein Landesmuseum ist auch Schloss Tirol. Assmanns „Transferteppich“ segelt also unter der Flagge des Museumsjahres, generierte aber kein Extrabudget. Über die Aufnahme seiner Ausstellung ins Programm des Museumsjahres hat er in der Steuerungsgruppe also nicht entschieden, versichert der TLM-Direktor. Honorar gab es laut Künstler Assmann auch keines. Er folgte einfach der Einladung von Leo Andergassen, Direktor auf Schloss Tirol. Und webte „Transferteppich“ thematisch passend zum Thema „Transport-Transit-Mobilität“.

Hätte er Kritik rechnen können? Von einem Interessenkonflikt will Assmann nichts wissen, ihn überraschte die Reaktion der TirolerInnen. In Oberösterreich, wo er bis 2013 Direktor der Landesmuseen war, war seine künstlerische Karriere kein Thema, sagt Assmann. Er stellt dort aktuell beim Linzer Kunstsalon aus. Auf Einladung.


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