Historiker Schreiber: „Die Lehren, die Imst daraus zieht“

Historiker zeigt am Rande einer Buchvorstellung auf, wie es um die hiesige Erinnerungskultur bestellt ist.

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Die Hin- und Hergerissenheit im Umgang mit Geschichte zeigte die Theatergruppe „nachtACTiv“ auf.
© Parth

Von Thomas Parth

Imst – Der streitbare Historiker Horst Schreiber lässt keinen Zweifel aufkommen, was es für eine lebendige Erinnerungskultur benötigt. Neben einer aktiven Zivilgesellschaft sei die Möglichkeit eines Diskurses dringend vonnöten.

Genau hier spielt er nach den Querelen rund um die Umbenennung der „Jakob-Kopp-Straße“ und nach der Entfernung des „Denkmals“ im Putzenwald den Ball an die Öffentlichkeit zurück. Am Rande einer Buchpräsentation mit einer szenischen Lesung, bei der die Theatergruppe „nachtACTiv“ mitwirkte, ergriff Schreiber die Chance, seine Betrachtungsweise der jüngsten Ereignisse in Imst Revue passieren zu lassen. Dabei bekamen neben „aufgeregten Politikerinnen und Politikern“ auch Blogger und sogar das Mauthausen Komitee sowie die Imster Zivilgesellschaft ihr Fett ab.

Schreiber fordert eine rationale Diskussion ein anstatt emotionaler, moralischer Empörung, wie sie rund um das „Denkmal“ im Putzenwald eskalierte. „Ob in der Politik oder sonstwo, man hat Angst vor Markus Wilhelm und davor, ihm zu sagen: Da hast du nicht Recht“, sieht Schreiber selbst das Mauthausen Komitee einer verkürzten Sichtweise aufgesessen. Gleichzeitig habe man durch den medialen Druck den Imstern die Möglichkeit genommen, „informiert zu werden, sich eine Meinung zu bilden und zu schauen, was machen wir jetzt damit?“

Letztlich habe es sich im Putzenwald nicht, wie behauptet, um eine „SS-Gedenk- oder braune Kultstätte“ gehandelt. Dies entspreche nicht den Tatsachen. Mangels engagierter und informierter Zivilgesellschaft sah sich die Politik zur Abmontage des „Denkmals“ gedrängt. Schreiber würde sich eine spannende Diskussion wünschen, wie man 2021 mit den Geschehnissen von damals umgehen soll. Scheibers Gedanken sind auch auf der Stadthomepage bzw. auf www.erinnern.at ersichtlich.

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