Mari Otberg bringt Kunst nach Tux: „Berge gehen immer“

Früher machte sie Mode, heute holt sie namhafte Künstler ins hinterste Zillertal nach Tux: Mari Otberg betrachtet Tirol mit neuen Maßstäben.

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Eine, die es der Liebe wegen in die Berge verschlagen hat und die ganz viel Kunst nach Tux bringt: Mari Otberg. Fotos: H. Henkel, Martin Parr (Magnum), Astuy, Thomas Stefan Starring as Bear, Tyrol
© Heli Hinkel

Von Liane Pircher

Innsbruck, Tux – Man weiß es ja als Tirolerin, die Anfahrt nach Tux ist eine weite. Normalerweise nimmt man diesen Weg wegen eines tollen Ski- oder Wandertags auf sich. Viel mehr gibt es ganz hinten im Tal ja nicht zu holen. Würde man meinen. Ist aber nicht so. Denn mitten im Ort, baulich angedockt an das kleine „Haus Dora“, in einem Raum, der früher Holzschnitzwerkstatt/Souvenirladen war und heute jeden Winter als Skidepot dient, genau dort, wo man es am wenigsten vermutet, macht sich ganz viel Kunst breit: „Ain’t no Mountain High Enough“ prangt in großen Lettern auf den fassadengroßen Scheiben.

Mit Arbeiten von Christy Astuy, Martin Parr u. a.
© Otberg

Drinnen gibt es eine Gruppenausstellung von 35 Künstlern – sie alle setzen sich auf vielfältigste Art und Weise per Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Installationen, Keramik- oder mittels Videokunst mit dem Thema Berg auseinander. Man muss nicht besonders kunstaffin sein, um schnell zu sehen, dass es sich hier mehr als nur um eine kleine Bergausstellung handelt. Nicht nur, weil bekannte Namen dabei sind – etwa Christopher Lehmpfuhl, Manfred Bockelmann, Erwin Wurm, Jonathan Meese oder der als Schauspieler bekannte Lars Eidinger.

„Vielleicht war es eine verrückte Idee, an diesem Ort einen Kunstraum ins Leben zu rufen, aber es fühlt sich gut an“, erklärt Mari Otberg beim Gang durch die Galerie voll zeitgenössischer Kunst: „Berge gehen immer, oder?“, lacht sie. Die gebürtige Deutsche kommt aus der Modebranche, lebte in London und Berlin, arbeitete für Vivienne Westwood, hatte ein eigenes Modelabel und schneiderte das Brautkleid für Sarah Wiener, bevor sie alles über Bord warf und hauptberuflich zur Malerin und Illustratorin wurde. Diesen Sommer wagte sie den Schritt zur Kuratorin.

Dass oben oder unten sein alles eine Frage der Perspektive ist, zeigen die Arbeiten ihrer aktuellen Bergausstellung.
© Magnum Fotos

Über ein Jahr lang hat sie sich darum bemüht, spannende Künstler für das Projekt zu gewinnen. Einige hatten zu Bergen etwas im Archiv, andere haben sich ans Werk gemacht. Für die Eröffnung und den Katalog hat Otberg auch ansässige Bergsteigergrößen wie Peter Habeler zum Input geladen und so versucht, das Thema Berg in vielen Facetten intellektuell und künstlerisch anzugehen: Was sind Berge? „Nur“ Berggipfel oder denken wir mehr, wenn wir an Berge denken? An Greta Thunberg, Mark Zuckerberg, schmelzende Eisberge, Müllberge? – „Kunst zum Thema Berg muss nichts, kann aber alles“, sagt Otberg, die es der Liebe wegen in die Berge verschlagen hat. Ihr Mann Christian Stock ist Einheimischer, auch Künstler. Mit ihm pendelt sie zwischen Wien und Tux. Bald zieht es sie wieder in die Stadt, aber sie kehren regelmäßig zurück zum Berg. Die Ausstellung geht auf Tour nach Wien. Und Otberg bringt nächsten Sommer wieder Kunst zum Berg, welche, lässt sie noch offen.

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Esther Haase: Fotokunst am Hintertuxer Gletscher.
© Mari Otberg

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