„Abläufe gleich wie bei NASA“: Mars-Simulation mit Technik aus Tirol

Heute startet die heiße Phase der Mars-Simulation mit Technik aus Tirol in Israel.

  • Artikel
  • Diskussion
Zwei Analog-Astronauten verließen gestern für einen kurzen Test das Habitat in der Negev-Wüste.
© ÖWF/Voggeneder

Innsbruck – Der entscheidende Funkspruch wird heute so beginnen: „Innsbruck an Mars, bereit zur Landung.“ Die Mitarbeiter des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF), die von Tirol aus ihre 13. Mars-Simulation koordinieren, und die Analog-Astronauten in dem eigens aufgebauten Habitat in der israelischen Negev-Wüste nehmen ihre Mission durchaus ernst. Eine Frau und sechs Männer werden ab heute vor Ort drei Wochen lang von der Außenwelt isoliert sein und so tun, als ob sie tatsächlich ihre Füße auf den Roten Planeten setzen können.

Einer von ihnen ist der 39-jährige Innsbrucker Experimentalphysiker Robert Wild: „Die technische Ausrüstung ist natürlich nicht vergleichbar, aber wir versuchen zumindest die Abläufe gleich zu halten wie bei den großen Raumfahrtorganisationen NASA oder ESA“, sagt der gebürtige Wiener über die professionelle Herangehensweise seiner ersten „Mars-Mission“. ÖWF-Direktor Gernot Grömer ergänzt: „Wir simulieren die Arbeit von Astronauten in Kombination mit dem Einsatz von Robotern in marsähnlichen Umgebungen auf der Erde. Analog-Forschung testet und sucht nach Schwachpunkten, damit beim tatsächlichen Einsatz alles glattgeht.“

Im Mittelpunkt von der Corona-bedingt um ein Jahr verschobenen Mission Amadee-20 steht der in Tirol entwickelte Raumanzugsimulator, der bei den Außeneinsätzen getragen wird. „Allein das Anziehen dauert zwei Stunden und wir werden ihn dann bis zu sechs Stunden im Einsatz tragen“, sagt Wild, der sich eines vorgenommen hat: „Die Umgebung sieht wie der Mars aus und wenn ich dann im Anzug stecke, versuche ich mental auch am Mars zu sein.“

Insgesamt sind mehr als 200 Forschende aus 25 Ländern sowie u. a. die israelische Raumfahrtagentur an der insgesamt vierwöchigen Mars-Simulation – der bisher größten des ÖWF – beteiligt. Es ist geplant, dass die Analog-Astronauten 25 Experimente durchführen. Außerdem wird ein Navigationssystem für Mars-Drohnen, das derzeit bereits am echten Mars beim NASA-Helikopter „Ingenuity“ verwendet wird, in der Wüste getestet. Dort wird eine drei Kilogramm schwere Drohne im Einsatz sein, die sich mithilfe hochpräziser Kameras an der Oberfläche orientiert. So will man die Navigationstechnik weiter verfeinern und später einmal am Mars einsetzen. (chris)


Kommentieren


Schlagworte