Narzissmus-Tagung in Innsbruck: Gemeinsam gegen Missbrauch

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Empowerment durch gegenseitige Unterstützung und Information (v. l.): Svenja Beck, Akhila Daniela Kotowski und Christine Merzeder.
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Von Gabriela Stockklauser

Innsbruck – Joe Aigner, Pädagoge, Psychologe und einer der Redner auf der ersten Tagung gegen narzisstischen Missbrauch im Innsbrucker Rathaus, brachte es auf den Punkt: „Das ,Höher-Weiter-Mehr-Credo‘ unserer kapitalistischen Gesellschaft bringt eine große Anzahl an Narzissten hervor.“ Gabriele Fischer, Landesrätin für Soziales, dazu in ihrem Eingangs-Statement: „Wir kommen Kontakten mit ihnen nicht aus.“

Die Folgen für das Umfeld von so genannten malignen (bösartigen) Narzissten sind oft fatal, denn empathisch und beziehungsfähig sind diese nicht. Wie groß die Not der von narzisstischem Missbrauch Betroffenen ist, belegten die Vorträge derer, die den Weg aus den zerstörerischen Beziehungen bereits hinter sich gebracht haben.

Eine von ihnen ist Svenja Beck, die erst nach zwei Mordversuchen durch ihren Ex-Partner den „Absprung“ schaffte. Sie berichtete von ihrem steinigen Weg aus der emotionalen Abhängigkeit. Ihr Fazit: „Es lohnt sich, dem Schrecken ein Ende zu bereiten. Ich habe mir mein eigenes Leben zurückerobert!“

Akhila Daniela Kotowski stellte ihr Filmdebüt „The Love of my Life, me“ vor. Darin erzählt sie über die emotionale und körperliche Gewalt, die sie in der Beziehung mit einem Narzissten erlebte. Sie macht allen Betroffenen Mut, ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen.

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Berührt reagierte das Publikum auf die Vorträge. Einige der zuhörenden Männer und Frauen – selbst Betroffene – erhoben sich während der Podiumsdiskussion und berichteten über eigene Erfahrungen. Deutlich wurde dabei das persönliche Leid, aber auch, wo es Lücken im System gibt. Gehört oder gar verstanden werden Betroffene oft nicht. Nicht von Juristen, nicht von Ämtern und Behörden, oft nicht einmal von Ärzten und Therapeuten.

Es bedarf daher dringend umfassender Aufklärung, forderte etwa Rechtsanwalt und Referent Markus Heis. Er ist einer der wenigen seiner Zunft, die sich mit narzisstischem Missbrauch und den rechtlichen Aspekten auskennen. Christine Merzeder, Initiatorin der Tagung: „Ich schlage daher einfach handhabbare Ratgeber vor, in denen die wichtigsten Warnsignale zur Erkennung von narzisstischem Missbrauch verzeichnet sind.“

Infos zur Selbsthilfegruppe gegen narzisstischen Missbrauch, Dachverband Selbsthilfe: www.selbsthilfe-tirol.at


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