„Der Untergang des Hauses Usher“: Schauerromantik am Burgtheater

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Wandelbar: Michael Maertens in „Der Untergang des Hauses Usher“.
© Matthias Horn

Von Bernadette Lietzow

Wien – Der Auftakt von Barbara Freys erster Saison als Intendantin der Ruhrtriennale sollte sich schaurig-schön gestalten: In Kooperation mit dem Burgtheater entstand mit „Der Untergang des Hauses Usher“ eine Musik- und Sprechtheater verschmelzende Arbeit, die, nach der Premiere im August in der Gladbecker Maschinenhalle Zweckel, seit Sonntag in Wien zu sehen ist.

Nun regieren Angstvorstellungen und Horrorfantasien im Zeichen des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe am Burgtheater. Zwei Pianisten (Tommy Hojsa und Josh Sneesby) geben mit minimalistischen Akkordfolgen eine unheilvoll-düstere Stimmung vor, ein Fähnlein dunkel gewandeter Gestalten steht da auf der Bühne, die Martin Zehetgruber in eine dämmrige Industrie-Kathedrale, angelehnt an den Ort der Ruhrpott-Uraufführung, verwandelt hat: Die hohen Bogenfenster sind mit Latten vernagelt, durch die das Licht dringt und immer wieder geheimnisvolle Schatten erzeugt.

Gruselig, gespensterhaft, schwermütig, zeitweise mit einem Hauch ironischer Brechung werden in den 120 pausenlosen Minuten gleichsam Extrakte aus dem titelgebenden und anderen Werken Poes gewonnen und klangvoll in Wort und Ton umgesetzt. Übrigens dreisprachig – deutsch, englisch und ungarisch, mit Übertitelung.

Annamária Láng und Markus Scheumann erinnern an das Zwillingspaar Madeline und Roderick Usher und verweben in ihrem beachtenswerten Vortrag Faden um Faden aus Poes finsterem „Haus Usher“. Michael Maertens schlüpft in verschiedene Charaktere, um dann, mit Affenhänden und irrem Blick, inmitten der Krimierzählung „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ zu landen. Mit Debbie Korleys ergreifender Schilderung rudert man mit der Elfe aus Poes „Das Feeneiland“ hinaus zur Insel mit der metaphorisch aufgeladenen Tag- und Nachtseite, während Katharina Lorenz und Jan Bülow im grauen Faltenrock (Kostüme: Esther Geremus) mit glucksendem Sprechgesang Poes grausige Erzählung „Berenice“ vorstellen, in der eine Frau von ihrem Cousin lebendig begraben wird.

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Barbara Frey, die gemeinsam mit Josh Sneesby auch für die mit Popmusikzitaten angereicherte Musik verantwortlich zeichnet, kann auf ein Ensemble bauen, das sich gekonnt und selbstbewusst in Poes Kosmos begibt. Trotz der Güte der Darbietungen verharrt der Abend jedoch in einer seltsamen Starre: Obwohl Poes „Der Untergang des Hauses Usher“ eine Art Leitlinie vorgibt, entsteht in dieser „Theaterkomposition“ kein harmonisches Ganzes. So ist man auf durchaus sehens- wie hörenswerte „Nummern“ angewiesen, was leider eine zunehmende Ermattung nach sich zieht.


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