Erster Halt: Kunstbahnhof Fritzens-Wattens

Die Initiative „Kunstraum Wattenbach“ denkt offen über die Zukunft von Wattens als Kunstort nach. Mit Ansässigen und Kulturschaffenden.

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Hundeggers lyrische Intervention „warte nur“ ist weniger Drohung als Erwartung. Zu sehen auf der Fassade des Bahnhofs Fritzens/Wattens.
© De Moor

Von Barbara Unterthurner

Wattens – Was könnte ein Bahnhof anderes sein als ein Ort des Transfers, ein Ort des Übergangs oder ganz simpel: ein Ort des Wartens? In Wattens soll nicht mehr gewartet werden, man will aktiv werden. Aktiv hat man zuletzt über den Bahnhof nachgedacht. Und neue Funktionen gefunden. Seit dem Wochenende präsentiert sich die Station Fritzens/Wattens zumindest temporär als Kunstbahnhof. Ganz erwartungsvoll mit „warte nur“, Barbara Hundeggers lyrischer Auseinandersetzung mit Warte-Zuständen auf der gläsernen Fassade. Und mit Markus F. Strieders „Empilement 1/3“, keiner inhalts-, aber zumindest einer tonnenschweren Stahlschmiede-Arbeit auf dem Vorplatz. Bis Februar sind beide Werke Teil der Haltestelle, Hundeggers Intervention könnte sogar darüber hinaus bleiben, bis der alternde Bau samt abbröckelndem Mosaik abgerissen wird. Strieders Arbeit hingegen wird 2022 weiter wandern in Richtung Zentrum von Wattens. Und sich mit dem Umzug weiterentwickeln. Zweimal wird das Stück noch zulegen, bis es seine finale Statur erreicht: Statt des „Stoanmandls“ wächst hier ein „Stahlmandl“ heran.

Spätestens bei Strieders Arbeit wird klar: Bei dieser Bahnhofs-Intervention geht es um den Prozess, die Entwicklung. Ein Konzept, das perfekt zu seinem Auftraggeber passt. Der „Kunstraum Wattenbach“, eine Wattener Initiative, hat es sich vor vier Jahren zur Aufgabe gemacht, mit Mitteln der Kunst gestalterische Prozesse in Gang zu setzen. Stichwort: kreative Ortsentwicklung. Auch um zu zeigen, Wattens ist mehr als das größte dort ansässige Unternehmen. Dass Swarovski im Ort natürlich auch kulturell eine wichtige Benchmark gesetzt hat, wird deshalb keineswegs ignoriert, heißt es dazu vom Kunstraum Wattenbach. Mit Markus Langes-Swarovski hat man schließlich auch einen wichtigen Unterstützer an Bord.

Öffnen will sich der Kunstraum nun aber vor allem den Ansässigen, erklären bilding-Leiterin Monika Abendstein und Alexander Erler. Beide sind selbst Wattener. Gemeinsam mit Markus F. Strieder haben sie den Verein „Kunstraum Wattenbach“ gegründet. Nicht als fixen physischen Ort – der Vereinsname führt da zunächst in die Irre –, sondern als Prozess. Aus dem idealerweise Handlungsräume entstehen, überall entlang des Wattenbachs, der das ganze Gemeindegebiet durchfließt.

Gestalterischen Handlungsbedarf ortete das international agierende Architekturbüro Snøhetta im öffentlichen Raum, etwa im Dorfzentrum. Im Auftrag von „Kunstraum Wattenbach“ haben sie sich im vergangenen Sommer u. a. die „Wasserlandschaft“ ausgedacht, eine grüne Verweilzone, in der Bach und Ort einander näherrücken. Näheres dazu ist „bachrauschen“ zu entnehmen, einem fein gestalteten Druckwerk, das den Prozess „Kunstraum Wattenbach“ begleitet – und inzwischen überall im Ortsgebiet aufliegt.

„bachrauschen“ greift auch den Kunstbahnhof textlich auf. Und in zwei Ausgaben etliches mehr. Denn aus „bachrauschen“ tönt viel Zukunftsmusik. Eine, die aber bereits 2022 umgesetzt werden könnte: Man will zeitgenössische Kunst nach Wattens holen. Oder besser noch zeitgenössische KünstlerInnen. Ein Residenz-Programm würde es Kunstschaffenden ermöglichen, direkt in und mit Wattens zu arbeiten. Einen Testlauf hat die Idee bereits absolviert: Der deutsche Künstler Olaf Probst verbrachte 2021 drei Wochen in Wattens, nicht nur, um praktisch eigene Arbeiten zu produzieren, sondern auch, um sich theoretisch mit einem möglichen Wattener Residenz-Programm auseinanderzusetzen. Das „Wattenspapier“ (auch im Bahnhof ausgestellt) entstand, ein Text voller wichtiger Inputs, der mit „Nur Mut!“ abschließt. Der Mut fehlt dem „Kunstraum Wattenbach“ gewiss nicht. Derzeit wird an der Finanzierung der Projekte gearbeitet.


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