Johann Sebastian Bach: Der mühsame Weg ins Licht

Bachs Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ führte vom „Dunkel zum Licht“.

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Bernhard Sieberer mit den Musikerinnen und Musikern beim 1. Kufsteiner Abonnementkonzert in der Stadtpfarrkirche St. Vitus.
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Von Wolfgang Otter

Kufstein – Musik kann Trost spenden, Musik kann auch Hoffnung geben. In Zeiten der Pandemie, der täglichen Katastrophenmeldungen und der Unsicherheit kann Musik auch den Weg in das Licht zeigen. Genau das macht Johann Sebastian Bach in seiner Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ BWV 21. Wohl in keinem anderen Werk stellte er den Menschen so sehr in den Mittelpunkt wie in diesem – das Leiden und die Zweifel des Individuums prägen Harmonien und Verlauf. Es ist ein schwerer Weg, den Musiker und Zuhörer gehen. Voller Klagen, Leiden und Fragen. Gegossen in eine die Grenzen der Emotionen auslotende, ergreifende Musik.

Bernhard Sieberer, Dirigent und Kulturbeauftragter der Stadt Kufstein, hat im ersten städtischen Abonnementkonzert dieses Werk in den Mittelpunkt gestellt, gemäß der Überschrift „Vom Dunkel zum Licht“. Mit dem Vokalensemble Vocapella Innsbruck, dem Ensemble Munich Baroque sowie den Solisten Monika Mauch, Helene Grabitzky, Katrin Auzinger, Markus Schäfer sowie Markus Volpert hatte Sieberer gewissenhafte und beste Weggenossen für diesen mit Mühen belastenden Marsch gefunden.

Eingangs erklang Giacomo Carissimis leidvolles „Plorate Filii Israel“ aus „Jephta“, bevor Bachs außergewöhnliche Kantate erklang. Bernhard Sieberer ließ die Sänger und Instrumentalisten in dieser seufzen, klagen, triumphieren oder wie im hervorragend von Monika Mauch und Markus Volpert gesungenen Duett „Komm mein Jesus“ zaghaft die Zuversicht finden. Er wählte gute und passende Tempi, nicht überhastet, sondern damit die Wirkung der Musik verstärkend, und fand den richtigen dramatischen Aufbau.

Mit Marc-Antoine Charpentiers Te Deum (berühmt durch sein Präludium) erreichten dann die Musiker endgültig das Licht – mit einem Werk voller Freude und Lob Gottes. Und da wurde es dann hell in der Kufsteiner Pfarrkirche – trotz der nicht nur nächtlichen Dunkelheit vor der Eingangstüre.


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