„Für Gott, Kaiser und Vaterland?“ – die tägliche Gehirnwäsche

Die Ausstellung „Für Gott, Kaiser und Vaterland?“ vermittelt eine Ahnung von der perfiden Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg.

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© Lackner

Innsbruck – „Für Gott, Kaiser und Vaterland“ lautete die Durchhalteparole bis in die letzten Tagen der Donaumonarchie im Ersten Weltkrieg. Eine ab heute zugängliche, kleine Sonderausstellung im Kaiserjägermuseum (örtlich und organisatorisch an das Tirol Panorama am Bergisel angegliedert) versieht die chauvinistische Worthülse zu Recht mit einem Fragezeichen: „Für Gott, Kaiser und Vaterland?“ Denn über die Maßen fraglich, ja verwerflich waren die Methoden, mit denen die Bevölkerung auf den Krieg (1914–1918) eingeschworen wurde.

Einschlägige Sujets in den Malbüchern der Kriegsjahre.

Kuratorin Sonia Buchroithner, die Leiterin des Tirol Panorama, hat in einem neu gestalteten Saal im Parterre des Kaiserjägermuseums Tiroler Exponate der Kriegspropaganda zusammengetragen.

Die tagtägliche Gehirnwäsche zeigte damals zweifellos Wirkung. Nachzulesen etwa im Tagebuch (samt Fotos) einer Schülerin, die stolz von ihren „Liebesgaben“ berichtet: Mädchen und Frauen versorgten die Soldaten an der Front mit selbst gestrickten Kleidungsstücken und Naturalien aus eigener Erzeugung.

Schon die Kleinsten gerieten in die Fänge der Propaganda-Maschinerie. Es gab Soldatenbilder „zum Ausmalen“, in Lesebüchern wurden Kriegsgegner als „Katzelmacher“ verunglimpft. Brettspiele kriegerischen Inhalts durften daheim nicht fehlen.

Kinder mit deutscher Pickelhaube bzw. österreichischer Soldatenkappe.

Besonders niederträchtig ist die Tatsache, dass die Bevölkerung den Krieg auch noch aus eigener Tasche finanzieren musste. Geld für Kriegsanleihen lockerzumachen, war quasi Pflicht.

Als sichtbare Zeichen finanzieller Unterstützung wurden vielerorts in Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich so genannte Blumenteufel aus dem Boden gestampft: riesige, Furcht einflößende Standbilder von Soldaten, im Kern aus geschnitztem Holz und mit einer Außenhaut aus groben Nägeln. Für jede Geldspende wurde ein Nagel ins Holz gerammt.

Ein besonders großer Blumenteufel, nach einem Entwurf von Albin Egger-Lienz, ist im Kaiserjägermuseum zu sehen – zwei Etagen weiter oben. Der finstere Koloss hätte den Rahmen der aktuellen Schau glatt gesprengt. (mark)

Ausstellung

Für Gott, Kaiser und Vaterland? Kaiserjägermuseum am Bergisel, 15.10.2021 bis 24.4.2022.


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