„Gli anni più belli“: Das Glück ist ein gelbes Vogerl

Die italienische Tragikomödie „Gli anni più belli – Auf alles, was uns glücklich macht“ begleitet ein Freundes-Trio über mehrere Jahrzehnte.

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Die drei Freunde Giulio, Paolo und Riccardo (Pierfrancesco Favino, Kim Rossi Stuart, Claudio Santamaria) und Gemma (Micaela Ramazzotti), die immer wieder in ihr Leben tritt.
© Polyfilm

Innsbruck – Rom in den 1980ern: Die drei Freunde Giulio, Paolo und Riccardo genießen ihre Teenager-Jahre, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Einer von ihnen verliebt sich unsterblich in die gleichaltrige Gemma und bandelt mit ihr an. Zu viert fahren sie im selbst reparierten Cabrio herum, und alles ist perfekt in diesem Moment des Rückblicks auf die Jugendtage.

Gabriele Muccinos „Auf alles, was uns glücklich macht“ scheint der kinotauglichen These anzuhängen, dass die Intensität des Lebens mit jedem Lebensjahr abnimmt. Der Regisseur lässt dem Quartett jedenfalls nicht viel unbeschwerte wilde Zeit, denn der Film erzählt ihre Geschichte flott weiter bis ins gesetzte Alter der Protagonisten.

📽️ Trailer | „Gli anni più belli – Auf alles, was uns glücklich macht“

Gemma verschwindet zunächst von der Bildfläche. Sie muss nach Neapel übersiedeln und sich von Paolo verabschieden. In einer herrlich-übertriebenen, völlig unpassenden Abschiedsszene klatscht das gelbe Vögelchen, das Liebe und Glück repräsentiert, brutal gegen ein Fenster. Im Grunde geht es dann im weiteren Verlauf des Films und des Lebens allen dreien wie Gemma, die irgendwann erkennt: „Ich suche noch mein Glück. Irgendwann finde ich’s und dann halte ich es fest.“ Ihre Figur – großartig unsicher gespielt von Micaela Ramazzotti – ist die spannendste Figur des Films, obwohl sie weniger Leinwandzeit bekommt als die Männer.

Neue Beziehungen finden sich, alte zerbrechen und beruflich wie privat entwickeln sich die unzertrennlichen Freunde zeitweise auseinander. Paolo wird Lehrer, Riccardo versucht sich als Kulturkritiker durchzuschlagen und Giulio wird vom engagierten Pflichtverteidiger zum Anwalt korrupter Politiker. Sein Rückblick vom Balkon einer Villa aus umrahmt die Nostalgie dieser epischen und doch kleinen Erzählung: „Wir waren so hungrig nach Leben.“ Immer wieder markieren darin Neujahrsfeste und ikonische Fernsehaufnahmen die Zeit: In Berlin fällt die Mauer, in New York die Türme – eine etwas simple Krücke des Regisseurs. Hohes Tempo täuscht ein wenig über einige schlampige Szenen hinweg. Ein Musik-Teppich verdeutlicht den semi-nostalgischen Rückblick-Charakter.

Auch wenn Rom nicht gerade klein ist, kreuzen sich die Wege der Freunde immer wieder. Das gibt „Gli anni più belli“ zusehends eine angenehm-epische Stimmung, die von der übertrieben italienischen, teilweise überdrehten Inszenierung ausbalanciert wird. Aber wenn der Film dann nach mehreren Jahrzehnten mit seinen sympathischen Protagonisten im Jetzt ankommt, stößt man dennoch gerne mit ihnen an „Auf alles, was uns glücklich macht“. (maw)

Film

Gli anni più belli – Auf alles, was uns glücklich macht. Ab 12 Jahren. Derzeit im Kino.


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