20.000 offene Handels-Jobs, sattes Lohn-Plus gefordert

Wie schon die Metaller fordern auch die mehr als 400.000 Beschäftigten im Handel kräftige Lohnerhöhungen. Handel verweist auf schwierige Lage.

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Im Vorjahr mussten auch die mehr als 400.000 Beschäftigten im Handel finanziell zurückstecken, dieses Jahr wollen sie mehr.
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Wien – Der allgemeine Personalmangel könnte auch der Handelsgewerkschaft in den anstehenden Lohnverhandlungen den Rücken stärken. Laut dem Handelsverband gibt es bundesweit rund 15.000 offene Stellen im Einzelhandel und mehr als 5000 im Großhandel. „Wenn man so dringend Personal sucht, muss man die Bezahlung erhöhen und die Arbeitsbedingungen besser gestalten“, fordert der gewerkschaftliche Verhandler Martin Müllauer vor dem Start der KV-Verhandlungen für die rund 415.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Handel am 21. Oktober. „Ich stelle mich auf sehr lange und schwierige Verhandlungen ein“, erwartet Gewerkschafter Müllauer. Man sei „nicht bereit“ für einen schnellen Abschluss wie vergangenes Jahr. Damals hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in der ersten Verhandlungsrunde geeinigt. Die Gehälter und Lehrlingsentschädigungen stiegen per 1. Jänner 2021 um 1,5 Prozent, was einer Inflationsabgeltung entsprach.

Wirtschaftskammer-Handelsobmann Rainer Trefelik verwies gestern auf die teils schwierige Lage im Handel. „Wir haben voriges Jahr natürlich einen besonderen Corona-Schock gehabt“, sagte Trefelik auf Ö1. Corona sei aber noch nicht vorbei. Die Geschäfte im Handel würden derzeit höchst unterschiedlich laufen: Manche Branchen hätten im Vergleich zum Vorkrisenniveau ein Plus von zahn Prozent, der Modehandel dagegen sei im Halbjahr noch 20 Prozent unter dem Niveau von 2019 gelegen.

Die durchschnittliche Inflationsrate der vergangenen 12 Monate, die Basis für die Lohnverhandlungen, liegt bei 2,1 Prozent. Seit Mai ist die Teuerung aber deutlich gestiegen und lag zwischen 2,8 und 3,2 Prozent. „Die Gehaltserhöhung kann nicht hoch genug ausfallen“, meinte die gewerkschaftliche Chefverhandlerin Anita Palkovich. Die Metaller waren mit einer Gehaltsplus-Forderung von 4,5 Prozent in die Herbstlohnrunde gestartet.

Eine freiwillige Corona-Prämie in der Handelsbranche ist heuer für die Gewerkschaft kein Thema. Sie will lieber Verbesserungen im Rahmenrecht. Die GPA fordert eine leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche. Neu sind die Forderungen nach besserer Abgeltung bei Mehr- und Nachtarbeit, etwa ein Nachtzuschlag von 50 Prozent und Zuschläge ab der ersten Stunde Mehrarbeit. Nachtarbeit nimmt laut Gewerkschaft vor allem im Lebensmittelhandel zu. Für Lehrlinge wünscht sich die Gewerkschaft einen Digitalisierungsbonus in Höhe von 250 Euro, weil die Bundesregierung nur Schüler mit Laptops und Tablets ausstattet.

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Knapp zwei Drittel der Angestellten im Handel in Österreich sind Frauen. Das kollektivvertragliche Vollzeit-Mindestgehalt beläuft sich im neuen KV auf 1740 Euro brutto. Bis 1. Jänner 2022 müssen alle Betriebe in den neuen Handels-KV wechseln, die Übergangsfrist läuft seit Dezember 2017. Chefverhandlerin Palkovich schätzt, dass rund 70 Prozent der Betriebe den neuen Handels-Kollektivvertrag anwenden. (TT, APA)


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