Cupra Born: Flotter spanischer Bruder

Mit dem Born versucht sich die Performance-Marke Cupra erstmals im Elektro-Fach. Als Basis dient der ID.3 von VW, bei dem dafür großzügig an der Dynamik-Schraube gedreht wurde.

  • Artikel
  • Diskussion
Sportlicher Auftritt, der vom Leistungspotenzial nicht enttäuscht wird: Der Cupra Born ist ein echter Fahrdynamiker mit E-Antrieb.
© Cupra

Von Stefan Pabeschitz

Barcelona – Dass ihr im Kompaktsportler-Segment antretender Stromer tatsächlich ein beherzt umgestrickter VW ID.3 ist, hören die Spanier nicht so gerne. Dennoch sind beide im Grunde genommen baugleiche Autos, die Cupra-Variante verschafft sich aber mit schnittigerem Leuchten-Design und aggressiv gestylten Stoßfängern deutlich attraktivere Würze, wie sie das Markenimage auch verlangt. Das Cockpit-Layout samt Displays und Bedien-Elementen ist ebenfalls weitgehend gleich, für Cupra-Ambiente sorgen hier ein Sportlenkrad und kupferfarbene Applikationen. Das beiden eigene, offene Raumgefühl verträgt sich aber grundsätzlich gut mit dem sportlicheren Cockpit-Look des Born, der einfach mehr Charakter hat als die allzu sehr um Neutralität bemühte Armaturenbrett-Landschaft im ID.3. Wie auch andere Marken speziell im Elektrobereich setzt die spanische VW-Tochter im Innenraum auf Öko-Materialien: Die Sitzstoffe sind aus recycelten Fischernetzen oder PET-Flaschen, auch bei den Lieferketten ist Cupra um Nachhaltigkeit bemüht.

Die technischen Zutaten sind im Prinzip ebenfalls VW-identisch, Cupra hatte aber relative Freiheit, sie großzügig zu überarbeiten: Daher liegt der Born vorne 1,5, hinten einen Zentimeter tiefer, die Multilink-Hinterachse ist strammer ausgelegt, die Federung ebenfalls. Die Hoffnung auf eine Allrad-Version hat sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht erfüllt, die Hinterrad-typische Dynamik steht dem Born aber auch nicht schlecht. Zum aktuell laufenden Marktstart ist vorerst nur eine Variante verfügbar – künftig wird sie die mittlere Leistungsstufe sein: 204 PS mit 58 kWh-Batterie, gut für 423 Kilometer WLTP-Reichweite. Anfang 2022 kommt die Einsteiger-Version mit 150 PS und 45 kWh-Akku. Zugleich wird auch eine Top-Version e-Boost mit 231 PS und 58 oder 77 kWh-Speicher zeigen, wo bei Cupra der Elektro-Hammer hängt. Die ist auch insofern der wahre Cupra in der Palette, als es für ihn kein Pendant des ID.3 gibt – dort endet das Angebot bei 204 PS. Großzügig ist in jedem Fall der Serienumfang des ersten Strom-Boliden des Hauses geraten: Progressiv-Lenkung, Head-up-Display mit Augmented-Reality-Einblendung und sogar eine 22 kW-Wallbox sind bei allen Varianten fix dabei. Als empfehlenswerteste Optionen sind das aktive Dämpfersystem DCC zum Aufpreis von 850 Euro und das erweiterte Österreich-Paket samt Navi zu 1820 Euro zu nennen.

Der Basis-Born deckt mit 150 PS und einem Wert von 8,9 Sekunden für null auf hundert km/h eventuell auch nur Einsteiger-Anforderungen an Fahrdynamik ab, Abstimmung und Handling sind dennoch tadellos. 204 PS reichen schon für deutlich mehr Spaß im Cockpit, mit 231 Pferden passen dann alle Parameter für ambitioniert-sportliches Fahren. Nur in der stärksten Variante ist auch der Cupra-Mode vorinstalliert, in dem alle Systeme optimiert antreten – schön und verführerisch wie von den thermisch angetriebenen Verwandten gewohnt direkt über eine Lenkrad-Taste anzuwählen. In dieser Konfiguration zeigt der Born, was er kann und darf sich als derzeit ansprechendster Fahrdynamiker in der Elektro-Kompaktliga eintragen. Der lange Radstand sorgt dabei für hohe Stabilität ohne nervöse Lastwechsel-Reaktionen, dazu kommen straffe Balance und drehmomentstarke Agilität, die nur von den bis zu 1,9 Tonnen Batterie-Hüftspeck gebremst werden. Als Trost gibt es ein komplett abschaltbares ESP, womit sich herrliche Drifts hinlegen lassen – immerhin auch neu im sonst so kreuzbraven Stromer-Segment.

Die 204-PS-Variante ist mit 39.990 Euro und damit attraktiver eingepreist als der gleich starke ID.3, die Tarife für andere Varianten sind noch nicht bekannt.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.


Kommentieren


Schlagworte