Krebshilfe-Präsident Marth bei „Tirol Live": 100 Brustkrebsfälle blieben unentdeckt

Über Vorsorge, Impfung und die Gefahr einer Überdiagnose sprach Christian Marth, Direktor der Innsbrucker Uniklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Präsident der Krebshilfe-Tirol, am Freitag in „Tirol Live“.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Tiroler Krebshilfe-Präsident Christian Marth war zu Gast bei TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern.
© Rita Falk

Innsbruck – Mit jährlich 5500 Neuerkrankungen in Österreich, davon 500 in Tirol, ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung der Frau. Wie wichtig Vorsorge ist, machte Christian Marth, Direktor der Innsbrucker Uniklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Präsident der Krebshilfe-Tirol, im „Tirol Live“-Studio deutlich. „Fünf Jahre nach der Diagnose sind weit mehr als 90 Prozent der Patientinnen noch am Leben“, betont Marth.

Dass die Überlebenschancen in den letzten Jahren gestiegen sind, ist vor allem der modernen Medizin zu verdanken. „Wir behandeln nicht mehr DEN Brustkrebs. Wir analysieren den Krebs und können so eine maßgeschneiderte Therapie anbieten“, erklärt der Klinikdirektor. Strahlentherapie und Operation wurden durch Chemo-, Hormon- und Immuntherapie erweitert. Und auch die Nebenwirkungen seien heutzutage besser erträglich. „Übelkeit und Erbrechen sind zur Rarität geworden“, sagt Marth. Durch Kühlungsmethoden könnten Haarausfall sowie Nervenschädigungen an Händen und Füßen reduziert oder verhindert werden.

📽️ Video | Christian Marth in „Tirol Live“

Ziel ist es, den Krebs so früh wie möglich zu entdecken. Dank hochauflösender Mammographie können bereits Millimeter kleine Karzinome und Krebs-Vorstufen erkannt werden. Einige Patientinnen sorgen sich daher, dass eine Früherkennung zur Überdiagnose führt. „Dem Thema Überdiagnose müssen wir uns stellen“, sagt Marth. Eine Gewebeprobe werde ausnahmslos durchgeführt und gäbe Aufschluss. Eine Frau mit der Diagnose Brustkrebs könne sich daher sicher sein, dass sie tatsächlich erkrankt ist.

Die Corona-Pandemie hat zu einem drastischen Rückgang der Neudiagnosen geführt. „Während des ersten Lockdowns gab es in Tirol einen Rückgang von 60 Prozent. Im zweiten Lockdown waren es minus 40 bis 50 Prozent.“ Marth schätzt, dass in Tirol an die 100 Brustkrebsfälle nicht erkannt wurden, und bittet Frauen, die Vorsorge auch in Zeiten wie diesen in Angriff zu nehmen. Zudem rät Marth Krebspatientinnen, die zur Hochrisikogruppe zählen, zur Impfung.

Alkohol, Übergewicht und eine Hormontherapie nach dem Wechsel seien Risikofaktoren. Minimiert werden könne das Risiko durch Sport – ein Schwerpunkt, den auch die Tiroler Krebshilfe im Brustkrebsmonat Oktober setzt. Der Pink Ribbon-Tour-Stopp findet am 30. Oktober um neun Uhr vor dem Landesmuseum Innsbruck statt. (nic)


Kommentieren


Schlagworte