Fresken von Sankt Stephan leben auf

Das frühchristliche Kirchlein bei Marienberg birgt Passionsbilder, die jetzt fertig restauriert sind.

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Der restaurierte Bilderzyklus von Sankt Stephan entführt die Besucher auf eine Zeitreise.
© Wenzel

Mals, Marienberg – Bilder aus dem Leben von Jesus, von der Geburt bis zu Passionsszenen, sind ebenso zu sehen wie die Krönung von Maria, Apostel, das Pfingstwunder und der Heilige Geist in Form der Taube. Leo Andergassen, einer der führenden Kunsthistoriker Südtirols, spricht von einem sensationellen Bilderzyklus. Entdeckt wurden die Fresken vor vier Jahren – unter einer Kalkschicht in der uralten Kirche von Sankt Stephan bei Marienberg (Gemeinde Mals im Vinschgau).

„Die Restauratoren haben einen der authentischsten spätgotischen Sakralräume freigelegt“, fasste Andergassen kürzlich bei der Abschlussfeier im Beisein der Altlandeshauptleute Herwig van Staa und Luis Durnwalder zusammen. Eingeladen hatte der Abt von Marienberg, Markus Spanier. Er war es auch, der Sponsoren wie die Messerschmitt-Stiftung für das Restaurierungsbudget gewinnen konnte.

Datiert sind meisten der Fresken mit der Jahreszahl 1498, zu finden sind auch die Namen der dargestellten Heiligen, etwa St. Stephan, St. Laurentius und St. Christophorus. Zur historischen Einordnung sagte Andergassen: „Der Umstand, dass ein Jahr nach der Entstehung dieser Wandmalereien eine Wirtschafts- und Militärkatastrophe (Anm.: Calvenschlacht von 1499) ausgebrochen ist, macht sie umso wertvoller. Eine derartige Heiligenauswahl, wie sie hier zu sehen ist, findet man nicht in einer Dorfkirche.“ Zudem eröffne der Zyklus Einblicke in das Weltbild, das die Menschen um das Jahr 1500 hatten. Führungen gibt es auf Anfrage.

Die Ursprünge des Kirchleins Sankt Stephan gehen auf das 5. und 6. Jahrhundert zurück. Es liegt an einem Pilgerweg unweit des Benediktinerstiftes Marienberg. Die mehr als 900 Jahre alte Klosteranlage wiederum gilt als spirituelle wie kulturelle Klammer im alten Tirol. (hwe)


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