Frankfurter Buchmesse: Die Welt übt sich im Kleiner-Werden

Nächste Woche startet die Frankfurter Buchmesse. Kanada holt seinen 2020 verschobenen Gastlandauftritt nach.

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Kein Gedrängel: Bei der Frankfurter Buchmesse (hier auf einem Archivbild von 2019) ist die Besucheranzahl heuer auf 25.000 pro Tag begrenzt.
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Frankfurt a. M. – Anstoßen, fachsimpeln, Bekannte treffen, Bekanntheiten beobachten und den Geruch von Frischgedrucktem genießen: Von 20. bis 24. Oktober findet die 73. Frankfurter Buchmesse statt – mit Autorinnen, Besuchern, Netzwerkern. Deutlich kleiner soll der größte Branchentreff der Welt heuer pandemiebedingt ausfallen. Manches bleibt im virtuellen Raum. Kanada holt seinen im Vorjahr verschobenen Gastland-Auftritt nach.

Dem Buch sei es in der Corona-Zeit bislang recht gut ergangen, sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Im Großen und Ganzen blieben die Verkaufszahlen konstant. Trotzdem brauche der Betrieb Treffen in der wirklichen Welt, so Boos. Als Motto für die heurige Messe hat er „Re:connect – Welcome back to Frankfurt“ ausgegeben. Eine „normale“ Messe werde 2021 aber nicht, sagt Boos: „Das ist nicht 2019.“ Damals haben gut 7500 Verlage aus 120 Ländern in Frankfurt ausgestellt. Heuer werden es etwa 1700 sein. Das Gros der internationalen Verlage präsentiert sich an den vierzig so genannten Nationenständen. Die Zahl der Besucher ist auf 25.000 pro Tag begrenzt. In vorpandemischer Zeit wurden an vier Tagen mehr als 300.000 Besucher gezählt. Für den Messe-Eintritt gilt heuer 3 G. Tickets müssen online gebucht werden und gelten nur für einen Tag. In den Gängen und Hallen des weitläufigen Messegeländes ist ein Mund-Nasen-Schutz verpflichtend. Nur bestuhlte Veranstaltungen sind davon ausgenommen.

Offiziell eröffnet wird die Buchmesse am Dienstagabend. Bereits am Tag davor wird im Frankfurter Römer der Deutsche Buchpreis für „den Roman des Jahres“ vergeben. Der Tiroler Autor Norbert Gstrein befindet sich mit „Der zweite Jakob“ unter den FinalistInnen um die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung. Auch den Schlusspunkt der Messe markiert traditionell eine Preisverleihung: Am nächsten Sonntag erhält die Autorin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Rund 300 Autorinnen und Autoren haben sich persönlich in Frankfurt angekündigt. Unter der Dachmarke „Bookfest“ sind an 20 über ganz Frankfurt verteilten Orten Lesungen und Gesprächsformate angekündigt. Die Publikumsveranstaltungen der Messe finden durchwegs in der Festhalle statt. Maximal 450 Zuschauerinnen und Zuschauer sind dabei vor Ort zugelassen – es wird aber auch gestreamt.

Ehrengast Kanada richtet nicht nur den Gastland-Pavillon ein, sondern öffnet parallel dazu auch virtuelle Erfahrungsräume. Die Gestaltung soll optisch die Landschaften Kanadas aufnehmen. Sechzig Autorinnen und Autoren wurden als Botschafter der kanadischen Literatur, der englischsprachigen genauso wie der französischen und jener der indigenen Bevölkerung, bestimmt. Nur neun davon werden – Stand jetzt – die Reise nach Deutschland tatsächlich antreten. Die anderen nehmen via Video an der Messe teil. Auch die wohl bekannteste Autorin des Landes, Margaret Atwood („Der Report der Magd“), wird beim Eröffnungsfestakt am Dienstagabend zugeschaltet.

Mehr als 300 kanadische Bücher liegen für den Gastlandauftritt in neuer deutscher Übersetzung vor. Viele sind bereits im Vorjahr, als das flächenmäßig zweitgrößte Land der Welt eigentlich als Ehrengast angedacht war. (jole, dpa)

Neugier auf „besondere Messe“

Rund 110 Aussteller und Ausstellerinnen aus Österreich präsentieren sich in der kommenden Woche bei der Frankfurter Buchmesse. 35 heimische Verlage werden mit einem eigenen Stand beim bedeutendsten Branchentreff der Literaturszene vertreten sein, darunter auch der Innsbrucker Haymon-Verlag. „Ich habe seit 1981 keine Messe ausgelassen und bin neugierig darauf, wie sich diese besondere Messe anfühlen wird“, sagt Haymon-Verleger Markus Hatzer. Der direkte Kontakt zu LeserInnen und BuchhändlerInnen sei wichtig, „deshalb haben wir entschieden, dass wir bei der Messe nicht nur ausstellen, sondern auch persönlich anwesend sein wollen“, so Hatzer.

Neben den einzelnen Verlagsständen wird es auch heuer einen gemeinsamen Österreich-Stand des Buchhandel-Hauptverbandes und der Wirtschaftskammer geben. Dort präsentieren 21 Verlage – etwa die Tyrolia – ihre aktuellen Herbstprogramme, rund 60 weitere heimische Verlage stellen ihre neuen Titel am Stand der IG Autorinnen Autoren vor. Dort stehen ab Mittwoch, 20. Oktober, auch zahlreiche Lesungen und Diskussionsformate auf dem Programm.

Der traditionelle Österreich-Empfang, den der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels mit dem Bundeskanzleramt organisiert, ist für den Abend des Buchmessen-Mittwochs im Städel Museum angekündigt. (jole)


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