DJ Ötzis Autobiografie: Gerry Friedle und die Reise ins eigene Ich

Tirols erfolgreichster Hitlieferant der vergangenen Jahre gewährt als Buchautor Einblicke in sein Leben, offen und ohne Bitterkeit.

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Gerry Friedle: „Wer schwere Zeiten übersteht, kann gestärkt und mit neuem Lebensmut daraus hervorgehen.“
© Universal

Von Hubert Trenkwalder

Innsbruck – Der 50. Geburtstag ist für manchen eine Zäsur: innehalten, zurückschauen, rekapitulieren. Im Falle von Gerry Friedle, der im Jahr 1999 als „DJ Ötzi“ mit seinem ersten Hit „Anton aus Tirol“ über Nacht zum Star wurde, verhält sich die Sache ähnlich.

Schon seit einigen Jahren vollzieht der international erfolgreiche Entertainer die Metamorphose vom bloßen Après-Ski-Helden zum ernst zu nehmenden Künstler.

Er umgibt sich mit Menschen, die ihm gut tun. Er sucht mit Fingerspitzengefühl die Songs aus, in denen er sich wiederfindet. Und er versteht es ausgezeichnet, seine Fans auf die Reise in sein eigenes Ich mitzunehmen.

Die Vorgeschichte kennt man vermutlich. Sein Leben war beileibe nicht einfach, „aber es hat mich zu diesem Gerry Friedle gemacht, der ich heute bin“, erzählt ein mittlerweile in sich ruhender Gerry im TT-Interview.

DJ Ötzis Autobiografie erscheint am 19. Oktober.
© ecowin

Am 1. Oktober veröffentlichte DJ Ötzi das Studioalbum „Sei du selbst – Party 2.0“. Erst jetzt, nach dem 20. Bühnenjubiläum und den vielen Platin-

erfolgen in aller Welt, konnte es entstehen. „Das, was auf diesem Album passiert, ist echt – und macht deshalb nicht nur Sinn, sondern vor allem richtig viel Spaß!“, holt der 50-Jährige aus, der den Longplayer im selben Atemzug als sein „persönlichstes Album ever“ bezeichnet: „Früher hab’ ich mich ja nie getraut, von mir zu erzählen. Und jetzt mit gutem Gefühl so viel mehr preiszugeben, das ist einfach der Hammer! Es fühlt sich gut und einfach richtig an.“

Und dass im Zuge der Albumveröffentlichung auch gleich seine Autobiografie „Lebensgefühl“ veröffentlicht wird, erscheint logisch und konsequent. Ein Blick zurück, ohne Bitterkeit und Zorn.

Gerry gewährt sehr private Einblicke in sein Leben. Er erzählt von der schwierigen Beziehung zu seiner Ursprungsfamilie, von der Kraft, die er aus der Liebe seiner Frau Sonja und dem Zusammensein mit Familie und Freunden schöpft, und wie er mit seiner oft schwierigen Vergangenheit abschließen konnte.

Der Weg zum Erfolg führte ihn eben auch durch tiefe Täler. „Wer schwere Zeiten übersteht, kann gestärkt und mit neuem Lebensmut daraus hervorgehen. Damit möchte ich eine klare Botschaft an alle Menschen senden, nie den Mut zu verlieren.“

Im Vorwort seines Buches malt Gerry geschickt das Bild eines zerzausten, kleinen grauen Vogels, der im Laufe des Erwachsenwerdens seine Farben sucht und findet.

Dass dieser eben nun singen und Menschen glücklich machen kann, hat Gerry auch einigen Wegbegleitern zu verdanken, aber eben auch zu einem großen Teil sich selbst. Diese „Reise ins eigene Ich“ hat unglaublich viel bewirkt. Und seine Fans werden es lieben.

Die Vorbestellungen für die Biografie sind beachtlich, das Album schoss vergangene Woche in die Charts. Der gerechte Lohn für den Mut eines Kämpfers, der viel mehr ist als nur eine Kunstfigur mit weißem Kapperl!


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