Gerhard Milletich zum neuen ÖFB-Präsidenten gewählt

Der 65-jährige Burgenländer erhielt 11 von 13 möglichen Stimmen, die zwei Gegenstimmen dürften von den Landesverbänden Salzburgs und Tirols gekommen sein.

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Der ehemalige ÖFB-Präsident Leo Windtner und sein Nachfolger Gerhard Milletich bei der Bundeshauptversammlung.
© BARBARA GINDL

Velden – Gerhard Milletich ist am Sonntag im Rahmen der Ordentlichen Bundeshauptversammlung in Velden zum neuen ÖFB-Präsidenten gewählt worden. Der 65-jährige Burgenländer erhielt 11 von 13 möglichen Stimmen, die zwei Gegenstimmen dürften von den Landesverbänden Salzburgs und Tirols gekommen sein. Milletich folgt Leo Windtner nach, der nach zwölfeinhalb Jahren den Chefposten räumt und in Velden einstimmig zum Ehrenpräsidenten des ÖFB ernannt wurde.

In seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl sorgte Milletich - zumindest vorerst - für Klarheit in der Teamchef-Frage. Es sei "selbstverständlich klar", dass Franco Foda die ÖFB-Auswahl in den Partien am 12. November gegen Israel und am 15. November gegen die Republik Moldau jeweils in Klagenfurt betreuen wird. "Er war ja nicht unerfolgreich. Wir haben vor einigen Monaten eine super EM gehabt, aber die Ergebnisse zuletzt waren natürlich nicht zufriedenstellend."

📽️ Video | Milletich ist neuer ÖFB-Präsident

Milletich zu Teamchef-Debatte: "Eile wäre fehl am Platz"

Ein Teamchef-Wechsel knapp vor den letzten Länderspielen des Jahres wäre laut Milletich keine gute Idee. "Eile wäre fehl am Platz, wir müssen das nachhaltig lösen." Ein Verbleib Fodas zumindest bis zu den März-Spielen, wo David Alaba und Co. wohl im WM-Play-off antreten, ist nicht ausgeschlossen - vor allem dann, wenn der Deutsche mit seiner Truppe gegen die Israelis und Moldauer gut abschneidet. "Es könnte ja sein, dass er erfolgreich ist. Er hat einen laufenden Vertrag."

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In der Teamchef-Entscheidung habe ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel "den Lead", so Milletich. "Ich möchte aber, dass ihn Experten flankieren. Es muss hier eine breite Basis geben", erklärte Milletich und nannte in diesem Zusammenhang Red Bull Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund.

Am Mittwoch will Milletich mit den Verantwortlichen im ÖFB über die sportliche Situation konferieren, einen Tag später steht ein Arbeitsgespräch zum neuen ÖFB-Trainings- und -Kompetenzzentrum an, das laut Präsidiums-Grundsatzbeschluss in Wien-Aspern entstehen wird. Das Projekt Nationalstadion hat derzeit keine Priorität. Milletich: "Es würde die finanziellen Mittel des ÖFB übersteigen, wenn man zwei solche Baustellen hätte."

Er empfinde die Wahl zum Präsidenten des größten Sportfach-Verbandes des Landes als große Ehre, betonte Milletich. "Ich hoffe, dass ich die in mich gesetzten Erwartungen erfüllen kann." Gleichzeitig lobte der 65-Jährige seinen Vorgänger. "Er hat sehr viel geleistet. Ich weiß, welchen Einsatz er erbringen musste. Dafür möchte ich ihm herzlich danken." Aufgrund der zahlreichen Verdienste Windtners sei es schwierig, in dessen Fußstapfen zu treten, so Milletich.

Der Unternehmer sieht sich als Teamplayer. "Ich bin kein Polterer und auch keiner, der glaubt, immer Recht haben zu müssen. Ich höre sicher auf mein Umfeld."

Milletich fungiert seit 2012 als Präsident des Burgenländischen Verbandes und stand 27 Jahre lang als Obmann an der Spitze des SC/ESV Parndorf. Hauptberuflich führt er als Miteigentümer seit 2004 die Geschäfte des Bohmann Verlags, eines der größten Verlagshäuser in Österreich. Zu seiner politischen Zuordnung machte der Burgenländer kein Geheimnis. "Ja es stimmt, ich bin der SPÖ näher als den Türkisen." Milletich ist verheiratet, seine Tochter ist mittlerweile intensiv in die operative Leitung des Unternehmens eingebunden.

Kritik aus Tirol und Salzburg

Zuletzt kam aus Salzburg und Tirol Kritik, weil Milletich als Parndorf-Obmann vor etwa 15 Jahren den damaligen Trainer Andreas Heraf bei seinem Verlag und nicht beim Verein angestellt hatte. Bemängelt wurde dabei die Optik, rein rechtlich gab es an der Vorgehensweise nichts zu beanstanden. Zweifel an seiner Integrität wies der neue ÖFB-Präsident zurück. "Die Gerüchte sind haltlos, wertlos und sinnlos. Es gibt gar nichts. Wenn man künstlich etwas erfinden will, kann man es tun."

In dieser Angelegenheit zeigte sich wie schon in den Jahren davor bei anderen Themen, dass manche Landesverbandschefs gern die Öffentlichkeit suchen. Milletich würde zwar interne Diskussionen befürworten, "aber wenn sie glauben, das über die Medien zu machen, ist es auch okay". Er werde "sicher keinen Einfluss" auf die Landespräsidenten nehmen und sie zu medialer Zurückhaltung auffordern.

Einer der zuletzt kritisch auftretenden Landesverbands-Präsidenten, der Tiroler Josef Geisler, wurde ebenso zum ÖFB-Vize ernannt wie Johann Gartner (Niederösterreich), Gerhard Götschhofer (Oberösterreich) und Philip Thonhauser (Bundesliga-Aufsichtsrats-Vorsitzender). (APA)


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