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Gespräch mit Tiroler Bestatterin: „Trauer tut weh, sie ist aber keine Krankheit“

Dem Tod ins Auge zu schauen, anstatt ihn zu verdrängen: Das fordert die Thanatologin und Bestatterin Christine Pernlochner-Kügler. Darüber, wie heilsam es wirkt, sich der eigenen Trauer zu stellen, hat die Innsbruckerin ein Buch vorgelegt. Ein Gespräch über Schmerz, Angst, Wut und Humor.

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Totenkultur: Im Bestattungsinstitut von Christine Pernlochner-Kügler erinnern Skelettfiguren an mexikanische Brauchtümer.
© Böhm

Warum kritisieren Sie, dass wir den Tod aus dem Alltag verdrängen?

Wir haben den gewohnheitsgemäßen Umgang mit dem Tod verloren. Aber durch die Verdrängung macht er noch mehr Angst. Meine These ist, dass Krimis deswegen seit den 50er-Jahren so einen Aufschwung erfahren, weil wir dadurch die Toten über die Hintertüre wieder reinholen.

Das heißt, wir Menschen brauchen durchaus eine Auseinandersetzung mit dem Tod?

Ja, denn er ist doch unvermeidbar. Der Mensch kann ihn eigentlich gar nicht erfolgreich verdrängen und das spüren wir unbewusst. Gesellschaftlich gesehen ist er aber kein Thema mehr, er ist zu makaber. Ich habe aber aus eigener Erfahrung gelernt, dass durch die Konfrontation die Angst davor zwar nicht weggeht, aber kleiner wird. Es ist das Projekt meines Lebens, das Thema wieder salonfähiger zu machen, die Leute herzuholen und zu sagen: Das ist schlimm, das ist traurig, ja, aber der Tod macht weniger Angst, wenn wir uns mit ihm beschäftigen.

Einige Fragen rund um den Tod können aber nicht geklärt werden ...

Stimmt. Die meisten Religionen schüren die Hoffnung, dass es danach weitergeht. Wir wissen es aber nicht. Wir haben deswegen eine irrationale Angst, die durch das Unbekannte und durch das Wegschauen genährt wird. Daraus entstehen Mythen, die falsch sind.

Zum Beispiel?


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