Außenseiter Márki-Zay wird Herausforderer von Orbán bei Wahl in Ungarn

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Oppositionskandidat Péter Márki-Zay.
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Budapest – Der Konservative Péter Márki-Zay tritt bei den ungarischen Parlamentswahlen 2022 gegen den rechtsnationalen Premier Viktor Orbán an. Das entschied die zweite Vorwahlrunde der ungarischen Oppositionsparteien zur Kür eines gemeinsamen Spitzenkandidaten. Damit konnte sich der 49-jährige klar gegen die Sozialdemokratin Klára Dobrev behaupten.

Der parteilose Außenseiter Márki-Zay, der als Kandidat der Bewegung "Ungarn gehört jedem" antrat, rief nach seinem Wahlsieg zum Zusammenschluss auf, denn der Opposition könne es nur gemeinsam gelingen, Orbán zu besiegen. Der Ausweg sei weder rechts noch links, sondern nur "aufwärts", betonte Márki-Zay. Zu seinem Wahlsieg habe auch seine erfolgreiche Tätigkeit als Bürgermeister der Stadt Hódmezövásárhely beigetraten. Aktuell denke er nicht an einen Rücktritt von dieser Position, wie das seitens der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz gefordert wurde.

📽️ Video | Analyse: Chancen von Marki-Zay

Der "Dampfwalze von Fidesz" gegenüber

Márki-Zay sehe sich schwerwiegenden Fragen gegenüber, analysiert das Onlineportal "telex.hu" am Montag. Was fängt er als "Oppositionsstar" mit der dem riesigen Wählerauftrag an? Wie verhält er sich als Herausforderer von Orbán gegenüber ihm und der "Dampfwalze von Fidesz", fragte das Portal. Es erinnerte daran, dass Márki-Zay in den vergangenen Wochen eine großen Teil der Oppositionselite "überrollen" konnte, und das ganz ohne Parteienhintergrund.

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Der Sieg des siebenfachen Vaters und bekennenden Katholiken, der ein breites Spektrum der Wähler von links bis rechts ansprechen konnte, kam völlig überraschend. Das erklärte der Politologe Gábor Török am Sonntagabend gegenüber "telex.hu". Márki-Zay sei nicht der gemeinsame Spitzenkandidat geworden, weil das von vornherein geplant war, sondern weil eine "Revolution in den Wahlkabinen", gleichsam ein stiller "Oppositionswechsel" stattfand, analysierte Török.

Regierungsnahe Medien teilen aus

Der Angriff regierungsnaher Medien auf die Vorwahl und Márki-Zay lies nicht auf sich warten. In einem Artikel in dem Blatt "Magyar Nemzet" werden die an der Vorwahl teilnehmenden Bürger beschuldigt, sie hätten damit nur nach einem Heilmittel für ihr persönliches Versagen und ihre Kränkungen gesucht. Dennoch seien der "wahre Zusammenschluss, die Kraft der Liebe noch nie so nötig gewesen, damit wir im April endlich die mit Verfallsdatum behaftete Bande dorthin schicken, wo sie hingehört", schrieb "Magyar Nemzet".

Laut der regierungsnahen Zeitung "Magyar Hírlap" war die Vorwahl nur ein "Theater" und der Sieger ein "neuer, subkonservativer Akteur". Márki-Zay sei ein "politischer Gefangener" und sitze in Wahrheit mit dem umstrittenen Ex-Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány, dem Ehemann der gescheiterten Gegenkandidatin Dobrev, in einem Boot. Demgegenüber würde sich die Orbán-Regierung nicht mit "Seifenopern" befassen, sondern mit echten Problemen, wie etwa der Corona-Pandemie und der Migrationskrise. (APA)


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