Gewalt gegen Frauen: Krisenhotline für Männer startet österreichweit

Die Telefon-Hotline „Männerinfo“ soll in Konfliktsituationen helfen und Anti-Gewalt-Trainings, Schlafstellen und Beratungen vermitteln. Das kostenlose Angebot steht österreichweit rund um die Uhr zur Verfügung.

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Symbolfoto.
© Jan-Philipp Strobel

Wien – Die hohe Zahl an Femiziden hat die Regierung veranlasst, ein Maßnahmenpaket gegen Gewalt an Frauen zu schnüren. Teil davon ist die Telefon-Hotline "Männerinfo", die Burschen und Männern in Konfliktsituationen helfen und Anti-Gewalt-Trainings, Schlafstellen und Beratungen vermitteln soll. Das kostenlose Angebot steht österreichweit rund um die Uhr zur Verfügung, gaben der Verein für Männer- und Geschlechterthemen und Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Montag bekannt.

"Wenn Frustration und Angst in Aggression umschlagen, gilt es Männern und Burschen einen Ausweg aufzuzeigen, der nicht in Gewalt mündet", sagte Mückstein. Aus dem Topf für Gewaltprävention werde deshalb ab sofort das Projekt "Männerinfo" mit 350.000 Euro jährlich gefördert und "auf professionelle Beine gestellt". Es sei wichtig bei den Männern anzusetzen, um Frauen und Kinder zu schützen, betonte der Minister. Handlungsbedarf gebe es jedenfalls: Laut europäischer Hochrechnung sei mindestens eine von fünf Frauen von häuslicher Gewalt bedroht.

20 Berater mit Grundausbildung und Erfahrung

20 geschulte Mitarbeiter stehen hilfesuchenden Anrufern ab sofort landesweit mit Rat und Weitervermittlungsangeboten zur Seite, sagte Christian Scambor vom Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark. "Was zu Corona-Zeiten schnell, klein und ehrenamtlich aufgezogen worden ist, hat sich nun weiterentwickelt: die Berater verfügen über eine psychosoziale oder juristische Grundausbildung und eine mehrjährige Erfahrung in der Männer- und Burschenberatung". Die Telefon-Hotline sei dadurch bestens mit anderen Hilfseinrichtungen vernetzt – mit Notschlafstellen, Suchtberatungsstellen und auch Frauenhäusern.

"Wenn eine Frau ins Frauenhaus kommt, dann ist da ein Gefährder draußen, der nicht weiß, was er tun soll", bestätigte Michaela Gosch, Geschäftsführerin der Frauenhäuser Steiermark. "Männer die keine Anlaufstelle haben, erhöhen das Risiko, dass es zu Gewalt kommt". Es sei neben dem Opferschutz für Frauen daher auch wichtig bei den Gewalt ausübenden Männern anzusetzen – auch schon bei Burschen. "Gewalt wird sozial tradiert, Betroffene haben ein höheres Potenzial erneut Opfer oder selber Täter zu werden." Bestimmte Grenzen bei der Weitervermittlung von Hilfsangeboten seien unterdessen schon im Probelauf der Männerinfo-Hotline aufgefallen: "Es gibt zu wenige Kassenstellen für Psychotherapien, da sollte dringend nachgebessert werden". (APA)


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