Landesregierung entschied: Wolf kann bei weiteren Rissen abgeschossen werden

Der "Problemwolf" 118MATK darf abgeschossen werden, wenn er neuerlich Weidetiere angreift. Darauf einigte sich die Tiroler Landesregierung nach einer Empfehlung des Fachkuratoriums.

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Symbolfoto.
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Innsbruck – Die Tiroler Landesregierung erlaubt den Abschuss des Wolfs mit der Bezeichnung 118MATK – sollte dieser Wolf neuerlich "als Verursacher von Angriffen auf Weidetiere genetisch nachgewiesen" werden. Das teilte das Land am Dienstag in einer Aussendung mit. Im Vorfeld hatte es darüber Debatten gegeben, wie die TT berichtete.

Am 8. Oktober hatte das unabhängige Fachkuratorium zur Beurteilung der Gefährlichkeit von großen Beutegreifern eine entsprechende Empfehlung abgegeben. Dieser folgt die schwarz-grüne Landesregierung nun. Am Dienstag wurde laut Aussendung die nach Tiroler Jagdgesetz notwendige Gefährdungsverordnung verabschiedet.

Das allfällige Verfahren zum endgültigen Abschussbescheid kann dann gestartet werden, wenn weitere Risse durch diesen Wolf eindeutig genetisch festgestellt werden. Der Bescheid wäre dann mit 60 Tagen befristet und auf einen definierten Bereich begrenzt.

Mit Häme und Kritik reagierte die oppositionelle Tiroler FPÖ auf die Verabschiedung der Verordnung. "Wenn es nach der schwarz-grünen Landesregierung geht, dann gibt es eher überhaupt keine Schafe mehr auf den Tiroler Almen, bevor nur ein Problemwolf entnommen wird", erklärte Landesparteiobmann Markus Abwerzger in einer Aussendung. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Problemwolf in Tirol "eines natürlichen Todes stirbt", sei weitaus höher, als dass er entnommen wird. Wölfe hätten auf den heimischen Almen einfach nichts zu suchen, meinte Abwerzger. Er sah einen "Kniefall der Schwarzen vor ihren grünen Regierungspartnern".

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Tierschutzorganisation WWF kritisiert Entscheidung

Die Naturschutzorganisation WWF Österreich kritisierte die "Anti-Wolf-Verordnung" der Tiroler Landesregierung. Der geplante präventive Abschuss des geschützten Tiers sei weder europarechtskonform noch sachlich gerechtfertigt. „Die betroffenen Schafherden waren allesamt nicht fachgerecht geschützt. Anstatt daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, will Tirol das europäische Artenschutzrecht mit rechtswidrigen Sonderlösungen aushebeln“, sagt WWF-Experte Christian Pichler. „Fachgerechter Herdenschutz würde nicht nur Risse verhindern, sondern Schafe auch besser vor Krankheiten oder Unwettern bewahren“, bekräftigt Pichler die Notwendigkeit präventiver Lösungen.

Die eingeschlagene Vorgangsweise, den Wolf beim nächsten Riss eines Nutztieres abzuschießen und keine Einzelfallprüfung mehr vorzunehmen, z.B. ob Herdenschutz möglich gewesen wäre, ist inakzeptabel und wird die Einführung eines effizienten und wirksamen Herdenschutzes dauerhaft konterkarieren, befürchtet der WWF.

Ausnahmen vom EU-Artenschutzrecht seien nur nach einer Berücksichtigung der konkreten Umstände sowie der Ausschöpfung gelinderer Mittel zulässig, wozu neben einer Besenderung und Vergrämung insbesondere fachgerechter Herdenschutz zähle. "Stattdessen verweisen die Zuständigen auf willkürlich festgelegte Risszahlen als Abschusskriterium und deklarieren Herdenschutz für viele Gebiete pauschal als nicht durchführbar, obwohl es längst erfolgreiche Beispiele in anderen alpinen Ländern gibt", kritisieren die Naturschützer. (TT.com)


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