Analyse

TT-Analyse zum Sport: Manövrierfähig wie ein Ozeandampfer – IOC und FIFA

Die Öffentlichkeit kennt die Bekenntnisse der Verantwortlichen im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und beim Weltfußballverband (FIFA) hinlänglich, wenn es um die Vergabe von Großveranstaltungen geht. Die Botschaft: In Zukunft wird alles anders. Offener. Liberaler. Mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Menschenrechte, auf gerechte Arbeitsbedingungen und Sponsorgeld, das nicht Staatskonzerne zur Verfügung stellen.

Mit „Sportwashing“ wollen Regime ihr angekratztes Image aufpolieren, nichts eignet sich besser als ein Fest mit den Idolen einer Generation. Das gilt für die anstehenden Winterspiele 2022 in und um Peking, das gilt für die Fußball-WM 2022 in Katar. Da wie dort scheuten Despoten weder Kosten noch Mühen, sich mit Geld den nötigen Einfluss zu sichern, um die Events ausrichten zu dürfen.

Diese Praktiken haben seit Beginn dieses Jahrtausends Tradition. Nichts mit Reformpapieren wie der vielzitierten „Agenda 2020“ – schade um die Druckerschwärze, den dafür aufgewendeten Zellstoff in Gazetten oder das Bemühen der Online-Redakteure. Das IOC schafft es zwar, bei seinem 129 Millionen Euro teuren Hauptgebäude in Lausanne auf bemerkenswerte Art und Weise Nachhaltigkeit zu verkörpern. Doch wenn es um klare Botschaften im Fall von Veranstalterländern geht, versagt das Ansinnen. Seidenweiche Statements werden abgeliefert – man akzeptiere die Landeshoheit, die Situation in anderen Ländern sei hinzunehmen. Das passiert gebetsmühlenartig – und eine Gebetsmühle steht auch für das Versagen des IOC. Das Sinnbild des tibetischen Buddhismus erinnert an eine von vielen Volksgruppen, deren Unabhängigkeit von China seit Jahren beschnitten wird. Hier wäre es angebracht, klare Botschaften zu senden. Dass sich die Olympier als „Brückenbauer“ verstehen, kann in diesem Fall keiner nachvollziehen. Und auch nicht im Fall Katar (Fußball-WM), wo jedes Stadion ein Mahnmal für unzumutbare Arbeitsbedingungen darstellt.

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