Entgeltliche Einschaltung

Deutschland erreicht erstmals Ausgabenziel bei Entwicklungshilfe

Alleine heute würden "15.000 Kinder sterben im Jemen, in der Sahel-Region, auf Madagaskar", so Entwicklungsminister Müller. Dabei hätte man die Technologien, eine Welt ohne Hunger zu schaffen.

  • Artikel
  • Diskussion
Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU).
© imago

Berlin – Deutschland hat laut Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im Jahr 2020 erstmals das Ziel erreicht, 0,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Entwicklungshilfe auszugeben. Müller forderte am Mittwoch in Berlin, dass die nächste Bundesregierung das Ziel von einem Prozent erreichen müsse. Denn alleine heute würden "15.000 Kinder sterben im Jemen, in der Sahel-Region, auf Madagaskar", so Müller. Dabei hätte man die Technologien, eine Welt ohne Hunger zu schaffen.

Entgeltliche Einschaltung

Müller rief die Spitzen der möglichen Ampel-Koalition auf, die Eigenständigkeit des Entwicklungsministeriums zu erhalten. "Es gibt ja auch Theorien, dieses Ministerium wieder anzugliedern, eine Unterabteilung irgendwo zu machen", sagte der CSU-Politiker. "Wir brauchen ein starkes Entwicklungsministerium, das weiterentwickelt wird beim Klimaschutz, in der Außenwirtschaftsförderung, Wasserstoff und vieles mehr." Er verwies bei der Vorstellung des 16. entwicklungspolitischen Berichts der Bundesregierung auf die Dringlichkeit von Projekten in Entwicklungs- und Schwellenländern.

80 Prozent der Weltbevölkerung in Entwicklungsländern

"Uns allen muss klar sein, 80 Prozent der Weltbevölkerung leben in diesen Ländern. Wir sind noch 1 Prozent der Weltbevölkerung in Deutschland. Und die Gewichte verschieben sich geostrategisch", sagte Müller, der im Sommer zum neuen Chef der UN-Organisation für Industrielle Entwicklung (Unido) gewählt worden war. Der 1966 gegründeten Unido gehören 170 Staaten an. Die Organisation mit Sitz in Wien kümmert sich um die industrielle Entwicklung in ärmeren Ländern und hat dabei Armutsbekämpfung und Nachhaltigkeit im Blick.

"Wir haben die Lösungen. Deutschland, die Industrieländer haben die Technologien und das Wissen, eine Welt ohne Hunger zu schaffen. Es ist möglich. Warum tun wir es nicht?", sagte Müller. "Hunger ist Mord. Ich sage das so drastisch, weil heute, an dem heutigen Tag 15.000 Kinder sterben im Jemen, in der Sahel-Region, auf Madagaskar." Wenn Deutschland zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgebe, müsse auch ein Ziel von einem Prozent für die Entwicklungszusammenarbeit möglich sein. Seine Erwartung: Ein SPD-Kanzler Olaf Scholz müsse ein klares Bekenntnis zur Stärkung der Entwicklungszusammenarbeit abgeben.

Allerdings haben sich etwa Grüne und SPD nicht hinter die Selbstverpflichtung der Nato-Staaten gestellt, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. Im Sondierungspapier heißt es nur, dass man die internationalen Verpflichtungen im Bereich der Entwicklungshilfe einhalten wolle.

Klimawandel entzieht Menschen Lebensgrundlage

Das Bundesentwicklungsministerium plädiert für einen Ausbau des Klimaschutzes in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort entscheide sich, ob globale Aufgaben wie das Flüchtlings- oder das Klimaproblem gemeistert werden könnten, so das Ministerium am Mittwoch. Millionen Menschen hätten durch den Klimawandel bereits ihre Lebensgrundlagen verloren. "Wenn wir nicht konsequent global gegensteuern, könnten daraus 140 Millionen Klimaflüchtlinge in den nächsten 30 Jahren werden", hieß es weiter. Entwicklungspolitik müsse stärker als Investition in die eigene Zukunft verstanden werden. Deutschland hat die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit in den letzten Jahren kontinuierlich auf nun mehr als 13 Milliarden Euro erhöht (2017: 8,5 Milliarden).

Das Ministerium verwies auf Erfolge der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. So sei der Anteil der Hungernden weltweit seit 1990 fast halbiert worden: Von mehr als einer Milliarde Menschen auf 615 Millionen. Allerdings stiegen die Zahlen aktuell wieder auf über 800 Millionen an.

Inzwischen gingen 9 von 10 Kindern in die Schule. Im Jahr 1960 sei es nur jedes zweite Kind gewesen. 2017 hatten weltweit demnach nur noch 55 Millionen Kinder keine Grundschulbildung. Seit 1990 sei die Zahl der extrem Armen um fast zwei Drittel gesunken, obwohl gleichzeitig die Weltbevölkerung um über 2,2 Milliarden Menschen gewachsen sei. Die Armutsrate konnte demnach weltweit von 36 auf 9 Prozent gesenkt werden.

Krankheiten wie Polio konnten demnach fast ausgerottet werden. Gab es vor 30 Jahren noch 350 000 Fälle, waren es 2020 nur noch 96 Fälle. Im Jahr 2000 starben demnach noch 2,8 Millionen Menschen an einer Aids-Erkrankung, im Jahr 2017 war es weniger als eine Million Menschen. (APA, Reuters, dpa)


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung