Fehlendes Papier als Preistreiber: Bücher dürften teurer werden

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Symbolfoto.
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Frankfurt a. M. – Abdulrazak Gurnah wurde Anfang des Monats der Literaturnobelpreis 2021 zugesprochen. Momentan ist keiner der bislang zehn Romane des tansanisch-britischen Autors in deutscher Übersetzung lieferbar. Am Rande der Frankfurter Buchmesse machte der Penguin Verlag nun öffentlich, dass sich das Münchner Verlagshaus die Rechte an Gurnahs Werk gesichert hat. Bereits übersetzte Werke – etwa „Ferne Gestade“ – sollen noch heuer neu aufgelegt werden. Auch die erste Übertragung seines 2020 erschienenen, jüngsten Romans „Afterlive“ ist in Arbeit.

Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah.
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Für das Weihnachtsgeschäft dürfte sich das Erscheinen aber nicht mehr ausgehen. Dem blickt die Buchbranche heuer etwas besorgt entgegen. Die Covid-Krise hat der Literaturbetrieb vergleichsweise gut überstanden, doch seit etwa zwei Monaten wird der neben guten Texten kostbarste Rohstoff der Branche knapp: Papier. Die Folge: Bücher dürften künftig teurer werden.

„Papiermangel betrifft aktuell alle Verlage“, sagt Sabine Glitza vom Traditionshaus Kiepenheuer & Witsch an dessen Frankfurter Messestand. Für die Buchproduktion müsse deshalb mehr Zeit eingeplant werden. „Bei vielen Büchern wissen wir schon, dass vor Weihnachten kein Nachdruck mehr möglich ist“, erklärt Jonathan Beck, Verleger von C. H. Beck.

Die Gründe für den Papiermangel sind kompliziert: Durch die Digitalisierung etwa im Zeitungsbereich ist der Papierbedarf allgemein zurückgegangen. Papierhersteller haben ihre Kapazitäten zurückgefahren und neue Schwerpunkte – etwa Verpackung – gesetzt. Zum anderen ging gerade in der Corona-Zeit das Altpapier zurück, weil weniger Papier im Umlauf war. Druckerzeugnisse werden vornehmlich aus Altpapier hergestellt. Die ohnehin geringer werdenden Altpapier-Bestände würden zudem besonders aus China nachgefragt, sagt Bettina Knape vom deutschen Bundesverband Druck und Medien. „China kauft die Märkte leer.“ (APA, dpa, jole)


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