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Francesco Lopes im Fotoforum: Prozession der unscharfen Erinnerungen

Mit Francesco Lopes nähert sich das Innsbrucker Fotoforum den Grenzen der Fotografie an. Zu sehen noch bis 13. November.

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Lopes’ Prozessionsmotive sind einzigartig, sie wurden nicht auf Fotopapier, sondern auf speziellen Stoffen entwickelt.
© Lopes

Innsbruck – Rund eineinhalb Tonnen schwer ist die silberne Figur, die in bald einem Monat wieder durch Siracusa getragen wird. Es ist jene der heiligen Lucia, Patronin der Stadt. Stundenlang zieht die Menge der Gläubigen durch die Hafenstadt. Wie jedes Jahr beschließt ein Feuerwerk das Spektakel. Mit dabei sind Francesco Lopes und seine Kamera. Für seine Serie „Madre Oscura“ (2018) lichtete er die Tradition seiner Heimatstadt ab – wie schon so viele andere.

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Für die künstlerische Umsetzung seiner Motive fand er aber eine sehr eigenwillige Methode. Die analogen Fotos werden nicht auf Papier, aber auf Stofffetzen entwickelt und hinter Glas geklemmt. Zu sehen ist die sizilianische Serie von Lopes, der selbst inzwischen im Ötztal lebt, derzeit im Innsbrucker Fotoforum.

Ein wichtiges Stilmittel sind für Lopes die Unschärfe und das Fragment. Beides steht bei ihm für die Erinnerung, eine kollektive wie auch persönliche. „Gedankliche Bilder von Vergangenheit sind in unseren Köpfen zumeist verschwommen, jedenfalls nicht in HD gespeichert“, erklärt der Künstler zur gestrigen Eröffnung der Ausstellung. Auf Lopes’ Bildern sind gar nur noch Kleckse von Erinnerungen übrig. Oftmals bleibt bloß eine Ahnung von Erinnerung.

Zwischen Motiven der Tradition füllt Lopes die Serie mit Persönlichem, die Familie spielt eine große Rolle. Gleich an den Beginn der Schau setzt er etwa ein Porträt seiner Tochter. Als Untergrund dient hier ein Leintuch, auf dem Lopes selbst als Kind gebettet wurde – nicht nur Bild, sondern auch Bildträger erzählen eine Geschichte. Und das ist eine, die sich von Tradition oder Mythos nicht freimachen kann oder will. Nicht zufällig erinnert man sich bei dem Betrachten des Kinderporträts an das Turiner Grabtuch.

Was Lopes’ Serie zusätzlich prägt, ist das Bild der Frau, die bei ihm nicht nur Mädchen, Mutter oder Stadtpatronin ist. Wirklich scharf zeichnet Lopes die Rollen nicht. Spannend daran ist, dass der Fotograf bewusst über die Fotografie hinausgeht, seine Werke werden zu Objekten. Dass das Fotoforum sich mit dieser Schau an die Grenzen der Fotografie heranwagt, ist äußerst begrüßenswert. (bunt)


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