3-G am Arbeitsplatz und Touristen: Sorge um Testkapazitäten in Tirol

Ab 1. November müssen sich viele Arbeitnehmer testen lassen. Jeden Tag, spätestens jeden dritten. Dazu kommen immer mehr Touristen.

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Zwar liegt die Impfquote bei den Arbeitenden bei rund 70 Prozent, aber die 3-G-Regelung am Arbeitsplatz könnte das Testangebot in jenen Gemeinden sprengen, in denen viele Arbeitsplätze angesiedelt sind.
© AFP/Mathema

Von Anita Heubacher

Innsbruck – Vor allem in jenen Gemeinden, in denen größere Unternehmen und damit viele Arbeitsplätze angesiedelt sind, sehen Ärzte dem 1. November mit Spannung entgegen. Die Zahl der zu Testenden werde sich in seiner Praxis mindestens verdoppeln, meint ein Arzt. Er will mit seinen Bedenken anonym bleiben, schließlich rechnet er eine Menge Tests mit dem Land ab. Dessen Krisenstab hatte via TT erklärt, dass die Testkapazitäten trotz Testpflicht am Arbeitsplatz ausreichend seien. Arbeitnehmer müssen sich täglich testen, wenn sie einen Antigen-Test machen, ein PCR-Test soll maximal 72 Stunden gültig sein. Manche Unternehmen lassen die Tests nur 48 Stunden lang gelten.

Nachdem österreichweit die Kosten für die „Gratis“-Tests explodiert sind und sie dem Steuerzahler heuer zwei Milliarden Euro kosten werden, hat die öffentliche Hand ein Limit eingezogen. 4000 Tests darf ein Arzt im Monat abrechnen. „Dieses Limit ist nach zwei Wochen erreicht, wenn die 3-G-Regelung gültig wird“, erzählt der Arzt, dessen Name der Redaktion bekannt ist. Schon jetzt mache er mehr als 4000 Tests und den Überhang auf seine Kosten. Der Arzt fordert, das Limit anzuheben und damit die Testkapazitäten zu erhöhen.

Sorge auch bei Touristikern

Sorgen um die Testkapazitäten machen sich auch Touristiker. Wie aus den hintersten Tälern die Tests der Mitarbeiter eingesammelt und ins Labor gebracht werden sollen, ist vielen Hoteliers ein Rätsel. 60 Prozent der Mitarbeiter im Tourismus stammen aus dem Ausland, wo oft die Impfquote schlechter ist als in Österreich. Dazu kommt, dass viele aus dem Osten und am Balkan sich mit Sputnik haben impfen lassen. Dieser Impfstoff wird aber in Österreich nicht anerkannt. Also müssen die Mitarbeiter sich testen lassen.

Zu den Tests der Mitarbeiter kommen jene der Gäste hinzu. Läuft die Wintersaison gut, könnte das ein Thema bei den Teststationen und in den Apotheken werden. Die Befürchtung hatten die Touristiker bereits im Sommer, damals ging es sich aber mit der Testerei der Touristen aus. Auch sie kommen, anders als in anderen Urlaubsländern, in Österreich in den Genuss von „Gratis“-Tests.

25 Euro pro Test, egal, ob PCR oder Antigen, rechnen Apotheker und Ärzte jetzt mit dem Land respektive mit dem Bund ab. Das Honorar war drastisch gekürzt worden. Die 25 Euro teilen sich bei den PCR-Tests Arzt und Labor.

Wie sich die 3-G-Regel auf die Testkapazität auswirken wird, will der Präsident der Ärztekammer Artur Wechselberger nicht beurteilen. „Das haben sich sicher Berufenere im Vorfeld ausgerechnet.“ Er glaubt, dass es genügend Kapazitäten gibt. Mehr als 20 verschiedene Teststellen seien angeführt. Testen dürften vom Apotheker über Zahnärzte bis hin zur Hebamme schließlich viele.

Ob die Kapazitäten reichen oder nicht, ist für den Präsidenten der Apothekerkammer, Matthias König, „Kaffeesudleserei“. Derzeit halte sich die Nachfrage nach den Tests in Grenzen. Die zunehmende Impfquote habe die Nachfrage sinken lassen. „Der Trend geht weg vom Antigen- hin zum PCR-Test“, sagt der Apotheker. Das liege an der Gültigkeitsdauer und daran, dass es für die Nachtgastronomie einen PCR-Test brauche.

Bis Ende Oktober gibt es in den Apotheken noch die zehn Stück „Gratis“-Wohnzimmertests abzuholen. Danach kosten sie in etwa fünf und zehn Euro. Die Wohnzimmertests gelten in der Übergangsfrist der 3-G-Regelung am Arbeitsplatz bis 15. November. „In der Pandemie haben wir uns an Überraschungen in letzter Sekunde gewöhnt“, meint König.


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