Abgesetzter sudanesischer Regierungschef nach Hause gebracht

Trotz des gewaltsamen Vorgehens der Armee gehen die Menschen landesweit im Protest auf die Straße. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen Demonstranten in Khartum ein.

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Ministerpräsident Hamdok wurde nach Hause gebracht.
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Khartum – Der sudanesische Ministerpräsident Abdalla Hamdok ist einen Tag nach dem Militärputsch in sein eigenes Haus zurückgekehrt. Hamdok sei am Dienstagabend „zurück in sein eigenes Haus im Bezirk Kafouri begleitet“ worden, sagte ein Armeevertreter der Nachrichtenagentur AFP. Rund um sein Haus seien „Sicherheitsmaßnahmen“ ergriffen worden. Ob Hamdok unter Hausarrest steht, blieb zunächst unklar.

Der entmachtete Chef der Übergangsregierung war nach dem Putsch am Montag zunächst im Haus des obersten Generals des Landes, Abdel Fattah al-Burhan, festgehalten worden. Hamdok sei „bei mir zu Hause“, hatte al-Burhan am Dienstag bei einer Pressekonferenz gesagt. Er sei „bei guter Gesundheit“ und werde „nach Hause zurückkehren, wenn die Krise vorbei ist“.

Demonstranten bringen einen Verletzten in Sicherheit.
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Das Militär im Sudan hat die Machtübernahme mit der Gefahr eines Bürgerkriegs begründet. Dieser hätte aus der gefährlichen Lage der vergangenen Woche entstehen können, sagte General Burhan am Dienstag. Es handele sich nicht um einen Putsch, vielmehr müsse der demokratische Übergang wieder in die Spur gebracht werden. „Wir wollten nur den Kurs des Übergangs korrigieren. Wir hatten es dem sudanesischen Volk und der ganzen Welt versprochen. Wir werden diesen Übergang schützen“, sagte Burhan. Es werde eine neue Regierung gebildet ohne typische Politiker.

General Burhan hatte am Montag im Staatsfernsehen die Übergangsregierung sowie den Souveränen Übergangsrat für aufgelöst erklärt, den Ausnahmezustand ausgerufen und die Bildung einer neuen Regierung mit „kompetenten Personen“ angekündigt.

Zehntausende Demonstranten protestierten gegen die Übernahme der Regierung durch die Armee.
© ASHRAF SHAZLY

Heftige internationale Kritik

Der Putsch wurde international verurteilt. UNO-Generalsekretär António Guterres verlangte die sofortige Freilassung Hamdoks. Die USA als wichtiger Unterstützer des Übergangsprozesses forderten die Rückkehr zu einer zivilen Regierung. Auch Afrikanische Union und die Arabische Liga zeigten sich besorgt. Die EU drohte den neuen Machthabern am Dienstag mit dem Entzug ihrer Finanzhilfen.

Im Sudan hatte nach dem Sturz von Machthaber Omar al-Bashir 2019 ein sogenannter Souveräner Rat die Regierungsgeschäfte übernommen, in dem sich Militärs und Zivilisten die Macht teilten. Seitdem befand sich das Land in einer Übergangsphase, die 2023 mit der Einsetzung einer zivilen Regierung enden sollte. Eine hohe Inflation, wirtschaftliche Probleme und tiefe politische Spaltungen verschärfen die Lage.

In Khartum und anderen Städten des Landes protestierten Menschen am Dienstag erneut gegen die Absetzung der Regierung. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen Demonstranten ein, die eine zentrale Straße mit Steinen blockierten, wie Augenzeugen berichteten.

Am Montag hatten die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen. Dabei wurden mindestens vier Menschen getötet und mehr als 80 weitere verletzt, wie ein Mediziner-Verband in Khartum meldete. (APA/AFP/Reuters)


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