Brandserie in Stanz: Beschuldigter (16) gab eine Brandstiftung zu

Im September und Oktober gingen in Stanz bei Landeck mehrere Gebäude in Flammen auf. Im Zuge der Ermittlungen konnte nun ein 16-jähriger Verdächtiger ausgeforscht werden.

  • Artikel
Am 25. September brannte in Stanz ein Wohnhaus samt Wirtschaftsgebäude. Die Feuerwehren standen im Großeinsatz.
© zeitungsfoto.at/Liebl Daniel

Von Helmut Wenzel und Thomas Hörmann

Stanz – Nach vier Brandstiftungen seit Anfang September in Stanz meldet das Landeskriminalamt die Klärung der Serie. Die Ermittler konnten einen 16-jährigen Einheimischen, laut Bürgermeister Ferdinand Beer ein Mitglied der örtlichen Feuerwehr, als mutmaßlichen Täter ausforschen.

Der Verdächtige befindet sich seit Freitag in der Innsbrucker Justizanstalt. Allerdings liegt kein vollständiges Geständnis vor. Nur „die letzte, allerdings erfolglose Brandstiftung hat der Beschuldigte zugegeben“, sagt Andreas Wurm, Chef der Brandermittler des Landeskriminalamtes.

Rückblende: Begonnen hat die Serie am Abend des 4. September. Im Dachboden eines Stanzer Wohnhauses war ein Feuer ausgebrochen. Ein Rauchmelder schlug Alarm, die Feuerwehrmänner konnten den Brand rasch löschen. Als Ursache galt zunächst eine eingeschaltete Glühlampe. Genau drei Wochen später, wieder an einem Samstag, war’s ein Wirtschaftsgebäude, das plötzlich Feuer fing. Durch den starken Wind stand das Objekt beim Eintreffen der Feuerwehr bereits in Vollbrand. Die Flammen griffen auch auf ein benachbartes Wohnhaus über. Die Tiere, Kühe mit Kälbern und Pferde mit Fohlen, wurden rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Auch die Bewohner konnten unverletzt ins Freie flüchten.

Am 4.September wurde auf dem Dachboden eines Einfamilienhauses Feuer gelegt.
© ZOOM.TIROL

Obwohl rund 220 Feuerwehrmänner im Einsatz standen, wurden beide Gebäude zerstört, der Schaden war enorm. „Wir gehen von etwa 800.000 Euro aus“, erklärt Wurm. Als Ursache wurde zunächst ein technisches Gebrechen bei einem Traktor angenommen.

3 x Futterkutter-Kochbuch zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Am darauffolgenden Samstag mussten die Stanzer Feuerwehrmänner erneut ausrücken. Wie schon beim verheerenden Großbrand am 25. September war das Feuer zwischen drei und vier Uhr ausgebrochen. Und zwar in einem Stadel, in dem sich ein Schlepper, eine Mähmaschine, zwei Motorsägen und ein Motorrad befanden. Gebäude und Geräte wurden vernichtet. Doch diesmal war für die Ermittler rasch klar, dass eine technische Ursache unwahrscheinlich ist. Die Beamten gingen nicht nur von Fremdverschulden aus, sondern prüften neuerlich, ob die beiden vorangegangenen Brände gelegt worden waren. Schließlich kamen die Beamten zum Ergebnis, dass in Stanz ein Serientäter am Werk ist. In der Folge „erhielten wir auch anonyme Hinweise und hatten den 16-Jährigen bereits im Auge“, schildert Wurm.

Vier Brände beschäftigten Feuerwehren und Brandermittler.
© ZOOM.TIROL

Zwei Wochen später wurde erneut ein Feuer gelegt, diesmal wieder im Dachboden eines Stanzer Wohnhauses. Die Besitzer waren kurz verreist. „Die Flammen sind aber von selbst erloschen“, so der Ermittler: „Die Bewohner haben aber nach ihrer Rückkehr Spuren des Feuers entdeckt.“ Dieser missglückte Brandanschlag ist der einzige, den der 16-Jährige bei der Einvernahme nach seiner Verhaftung im Beisein eines Anwalts zugab. Die drei früheren Brandlegungen hat der Jugendliche nicht gestanden.

Angehörige und Bekannte äußerten am Montag mehrfach Zweifel, dass die komplette Brandserie auf das Konto des 16-Jährigen gehen soll. „Wir sind der Meinung, dass die Unschuldsvermutung nicht nur für bestimmte Politiker gelten muss. Sondern auch für einen Verdächtigen im Dorf – solange diese Brandserie nicht lückenlos aufgeklärt ist“, war von den Einheimischen zu hören. Sollte der Bursche tatsächlich für die Brände verantwortlich sein, dann brauche er „dringend psychologische Hilfe und Betreuung“. Der Feuerwehrkommandant von Stanz, Thomas Kössler, lehnte gestern jede Stellungnahme zum mutmaßlichen Brandstifter ab.

Die Gemeinde werde „weiterhin alle bestmöglich unterstützen, die von den Brandschäden betroffen sind“, hob Bürgermeister Ferdinand Beer hervor.


Schlagworte